Golddigger in London Suche Prada, biete Sex

Von Nora Gantenbrink

2. Teil: "Wie ein Kind im Süßwarenladen"


Drei Jahre lang datete Helen Croydon über die Internetseite reiche Männer. Es waren meist Privatbanker, einmal traf sie sogar einen Multimillionär. Viele waren zum Arbeiten in London und kamen von überall aus der Welt. Wenn sie nicht arbeiteten, dann trafen sie sich abends mit Frauen wie Helen Croydon. Sie saß mit ihnen in den Lobbys Londoner Fünfsternehotels wie dem May Fair. Sie traf sich mit ihnen in Bars, die sie sich nie selbst hätte leisten können, oder in der fünften Etage des Luxuskaufhauses Harvey Nichols, wo man den Mojito mit Champagner trinkt. Sie hätte sich in dieser Zeit "wie ein Kind im Süßwarenladen gefühlt". Die Männer waren meist Berater, Manager, Geschäftsleute, so Mitte bis Ende fünfzig, wenn es ging, traf sie keine, die verheiratet waren, aber es ging nicht immer. Sie machte mit ihnen Reisen nach New York oder Malaysia. Sie hörte sich die Geschichten ihrer Scheidungen an, mit vielen hatte sie Sex, meistens in den Kingsize-Betten ihrer Hotels. Morgens brachte der Roomservice Champagner zum Frühstück. Die Männer standen auf und gingen ins Büro. Sie sagt, es habe ihr damals großen Spaß gemacht.

Golddigger, Prostituierte, Escort-Frauen, Callgirls, worin unterscheiden sie sich? Alles wird so unscharf wie die Konturen des Rummelplatzes bei einer Karussellfahrt. Sehnsüchte, Bedürfnisse, Gefühle, Berechnung. Wer will Sex, wer Liebe, wer Geld, wie viel und wann, für was? Für Außenstehende scheint es kompliziert, aber die Mitglieder der Systeme behalten den Durchblick, weil sie eigene Regeln haben.

Wer auf der Sugardaddy-Website eine Frau sucht, will keine Prostituierte finden, die gibt es schneller und billiger unter anderen Adressen. "Pro" dient als Codewort für Prostituierte. So warnen sich Mitglieder gegenseitig mit "Attention, this is a Pro". Eine Pro will niemand, eine Pro ist abgefuckt. Eine Pro fliegt aus der Datenbank, wenn sie auffliegt. Helen Croydon sagt, dass Business-Männer "Privatfrauen" bevorzugen. Die sind exklusiver.

Die Systematik des Dating

Durch das Geld der Männer konnte Croydon weniger arbeiten, sie schrieb in der Zeit ein Buch über ihre Erfahrungen. Es heißt "Sugar Daddy Diaries". Das Leben von Helen Croydon hatte sich verändert, aber die Treffen mit den Männern veränderten auch Helen Croydon selbst. Sie sagt, sie kannte irgendwann das Spiel: Anfrage, annehmen, verabreden, aufdonnern, annähern, aushandeln.

Sie hatte in den Jahren mehrere hundert Männer gedatet, die Gespräche wiederholten sich. Die Treffen bekamen eine Systematik. Es waren Männer mit ähnlichem Lebenslauf, ähnlichen Anliegen, nur statt Peter kam halt Paul. Sie war vor den Treffen nicht mehr aufgeregt. Sie war routiniert und kannte den Wert ihrer Brüste, Beine, Augen. Sie war zur Ware geworden.

Irgendwann, so sagt es Croydon, interessierte sie wirklich nur noch das Geld, nicht mehr ihr Gegenüber. Sie fühlte sich jetzt nicht mehr wie im Süßigkeitenladen, sondern eher wieder wie im Steuerbüro. Sie stellte die Datings ein. Sie hatte das Gefühl, alles erlebt zu haben. Sie kannte nun die Welt, deren Reiz vorher vor allem darin lag, dass nur wenige Zugang haben. Sie hatte zwar eintreten dürfen, war aber trotzdem ein Gast geblieben.

Das Ende der Monogamie?

Croydon sagt, sie stehe immer noch auf ältere, erfahrene Männer mit einem gewissen finanziellen Budget, aber sie suche diese heute in der realen Welt und nicht über das Internet. Vielleicht, weil das weniger verzweifelt ist. Vielleicht auch, weil der Mann von nebenan nicht so sehr über sie verfügen kann wie ein Sugar Daddy, der die Termine vorgibt und die Regeln.

Wenn man Helen Croydon fragt, ob sie ihrer Freundin empfehlen würde, sich auf sugardaddie.com anzumelden oder gezielt einen reichen Business-Mann zu daten, dann sagt sie lange nichts. Und dann: "Why not? It's fun!"

Zum Abschied sagt sie noch, dass sie bald ein Buch über das Ende der Monogamie schreiben möchte. Das klassische Modell von Liebe sei überholt. Sie wolle nicht heiraten. Sie wolle auch keine Kinder. Sie sagt das sehr fröhlich, es klingt sehr traurig.

Dann blickt Helen Croydon auf die Uhr, sie muss los, gleich beginnt ihre Nachtschicht als Radiomoderatorin. Seit sie keinen Sugar Daddy mehr hat, muss sie ihr Geld selbst verdienen. Sie sagt: "Ich habe heute überhaupt keine Lust." Dann stöckelt sie auf ihren Highheels zur Bushaltestelle. Sie setzt ganz vorsichtig einen Fuß vor den anderen und gleicht den unsicheren Gang mit ihren Armen aus. Es sieht ein bisschen so aus, als ob sie strauchelt.



insgesamt 80 Beiträge
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Seite 1
indosolar 30.04.2012
1. ja Frauen werden wie Männer
Zitat von sysopJustin Griffiths-Williams/ SPIEGEL KULTURHelen Croydon ließ sich drei Jahre lang von Geschäftsmännern aushalten. Sie suchte das Glück in Champagnerbars, in Prada-Kleidern, im Sex mit Multimillionären. Sie fand fast alles. Außer Liebe. http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,828756,00.html
denn, Zitat:"Zum Abschied sagt sie noch, dass sie bald ein Buch über das Ende der Monogamie schreiben möchte." spätestens dann wird es klar. Dabei wünschen sich selbst die größten Machos eigentlich die Einzigartigkeit ihrer Beziehung, ihrer Frau, ihrer Geliebten und der Mutter ihrer Kinder. Also Feministinnen, das Konzept noch mal überdenken, das kann nicht alles gewesen sein, Sex, Partnerschaft, Liebe und Familie als austauschabare Ware zur Befriedigung eigener Bedürfnisse!
ohgottogott 30.04.2012
2. Geschichte vom Börsenstrich
Zitat von sysopJustin Griffiths-Williams/ SPIEGEL KULTURHelen Croydon ließ sich drei Jahre lang von Geschäftsmännern aushalten. Sie suchte das Glück in Champagnerbars, in Prada-Kleidern, im Sex mit Multimillionären. Sie fand fast alles. Außer Liebe. http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,828756,00.html
Und inwieweit unterscheidet sich dies nun inhaltlich/ethisch von ganz ordinärer Strassenprostitution ? Liebe hat die Dame dem Artikel zufolge ja wohl offenbar auch gar nicht gesucht, sondern lediglich jemanden, der Sie (möglichst luxuriös) aushält - d.h. ganz vorne und primär auf der Liste der Faktoren der Partnerwahl stand das Portemonnaie
charlie1111 30.04.2012
3. xxxx
Zitat von ohgottogottUnd inwieweit unterscheidet sich dies nun inhaltlich/ethisch von ganz ordinärer Strassenprostitution ? Liebe hat die Dame dem Artikel zufolge ja wohl offenbar auch gar nicht gesucht, sondern lediglich jemanden, der Sie (möglichst luxuriös) aushält - d.h. ganz vorne und primär auf der Liste der Faktoren der Partnerwahl stand das Portemonnaie
Das ist ja schon fast ein eheähnlicher Zustand.
snickerman 30.04.2012
4. Eigenartig
Zitate aus dem Artikel: "Das klassische Modell von Liebe sei überholt. Sie wolle nicht heiraten. Sie wolle auch keine Kinder. Sie sagt das sehr fröhlich, es klingt sehr traurig." "Dann stöckelt sie auf ihren Highheels zur Bushaltestelle. Sie setzt ganz vorsichtig einen Fuß vor den anderen und gleicht den unsicheren Gang mit ihren Armen aus. Es sieht ein bisschen so aus, als ob sie strauchelt." Das hört sich schwer nach den Vorurteilen der Artikelschreiberin an. Und nach Alice Schwarzer: "Ihr Mund sagt ja, ihre Augen nein" Kann ja nicht sein, dass es auch solche Lebensentwürfe gibt...
never1 30.04.2012
5.
Bist du als Frau nicht hübsch, aber arm und / oder sexbesessen..dann sei freizügig und schreib darüber ein Buch. Trotzdem bleibt eine Hure eine Hure....ob für 30 € oder für 3000..
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