Mälzers Vox-Kochshow Satt werden vom Soßenbändiger

Wer verliert muss spülen: In der Vox-Show "Born to Cook" kochen zwei Kandidaten-Teams unter Anleitung des Küchenchefs Tim Mälzer um die Wette. Die Spielregeln sind piepegal, und der Gastgeber wirbelt so fix durchs Studio, dass die Kamera kaum hinterherkommt.
Von Peer Schader

Der Mann ist ein Multitalent, das steht außer Frage: Er kocht mit ansteckender Heiterkeit, kann in einer Tour dazu quasseln, ohne dass ihm was anbrennt oder die Stimmbänder reißen, und schreibt hinterher moderne Rezeptbücher, um seine Landsleute von der Knechtschaft allzu traditioneller Hausmannskost zu befreien. Nur eines kann Mälzer nicht: moderieren.

Was für ein Glück für Vox! Sonst wäre seine Abendshow "Born to Cook", die der Sender am Freitagabend zum ersten Mal zeigt, vermutlich eine Katastrophe geworden. Ist sie aber nicht. Denn anstatt im großen Studio den kleinen Gottschalk zu geben, ist Mälzer einfach er selbst geblieben: Ein chaotischer Wirbelwind mit Kochwerkzeug, der Sätze sagt wie "Ich bin ein großer Freund von Soßen", den Namen seiner Gäste vergisst und ständig in den Zuschauerraum saust, damit mal jemand testessen kann, was er gerade angerichtet hat. "Ruhig einmal ausprobieren", rät Mälzer dann. Und kurz darauf: "Unbedingt mal zu Hause ausprobieren!"

"Metzgerei" gegen "Feuerwehr"

Man muss sich "Born to Cook" wie einen großen Kochabend mit Freunden vorstellen. Jede Woche treten zwei Teams gegeneinander an, die von Mälzer Aufgaben gestellt bekommen: Mach mal eine Frankfurter Grüne Sauce mit frischen Kräutern! Schneid mal einer was von dem Spanferkel ab! Ruhig auch mal zu Hause probieren!"

Das eine Team heißt "Metzgerei", das andere "Feuerwehr". Und während im Studio geschnitten, gehackt und gebrutzelt wird, gibt Mälzer praktische Einfriertipps und sein Assistent Nils stellt Quizfragen, die mit einer "Born to Cook"-Dose belohnt werden, wenn die Kandidaten sie richtig beantworten. Das Team mit den meisten Dosen ist zum Schluss fein raus und darf sich zurücklehnen, die anderen müssen die ganze Sauerei aufräumen.

So ein herrlich einfaches Spielkonzept hat es im Fernsehen lange nicht gegeben. Und selbst daran mag sich Mälzer nicht so richtig halten: Zwischendurch verteilt er auch mal Dosen für gelungene Gags und stört sich nicht weiter daran, wenn hinter seinem Rücken geschummelt wird. Die Spielregeln bei "Born to Cook" sind eigentlich piepegal. Das ist wunderbar! Außer natürlich für die Verlierer, die dann spülen müssen.

Wie hält man Mammutfleisch frisch?

Dass Mälzer den Anspruch hat, den Zuschauern nebenbei auch noch eine kleine Kulturgeschichte des Essens mitzugeben, ist zwar nett, wäre aber nicht unbedingt notwendig gewesen. Andererseits bezieht "Born to Cook" einen Großteil seines Witzes in der ersten Ausgabe vor allem daraus, dass Mälzer ständig den im Zuschauerraum sitzenden Ernährungshistoriker Gunther Hirschfelder aufruft, der zum Thema Steinzeit erklären muss, wie die Menschen früher eigentlich ihr Mammutfleisch frisch gehalten haben. Mälzer steht nebendran und fordert in ehrlich interessiertem Ton von seinen Zuschauern: "Stellen Sie sich mal vor: Sie sind Neandertaler."

Mit Experten kommt Mälzer sowieso bestens zurecht. Wenn gegen Schluss der Sendung ein älterer Professor im weißen Kittel das Publikum in die Kunst des Molekularkochens mit flüssigem Stickstoff einweist, klopft Mälzer dem Herren, der sichtlich Spaß an seinem TV-Experiment hat, kumpelig auf die Schulter: "Wenn ich in Ihrem Alter genauso einen an der Waffel hab, freu' ich mich sehr." Einem anderen würde man das vielleicht als Beleidigung übelnehmen. Aber Mälzer sieht man an, dass er es als Kompliment gemeint hat. Dass die Kandidaten die meiste Zeit einen relativ überforderten Eindruck machen und bei alldem ein bisschen zu kurz kommen, ist eigentlich nicht weiter tragisch.

"Ham wir'n Sieger?"

Das einzige, das wirklich stört, ist die - nun ja: innovative Kameraführung. Wie bei einem Rockkonzert saust der Kran ständig auf verschiedenen Höhen durchs Studio, alles wackelt, ruckelt und dreht sich wie auf der Kirmes, dass es einem ganz schwindelig werden kann. Wahrscheinlich geht es nicht anders, weil keine fest stehende Kamera dieser Welt den energiegeladenen Gastgeber überhaupt noch ins Bild bekäme, weil der ständig an einer anderen Ecke steht.

Als der Professor mit seinem Stickstoff ein wenig in Fahrt gekommen ist, verschwindet Mälzer sogar mal für eine Weile ganz aus dem Bild, ohne dass man wüsste, was er da so treibt. Und als Assistent Nils die Sache in die Hand nehmen muss, um zum Schluss entscheiden zu lassen, welches der beiden Teams die wohlschmeckendere Soße hinbekommen hat, kräht es aus dem Hintergrund bloß: "Ham wir'n Sieger?"

Das alles kann man Mälzer unmöglich übelnehmen. Er ist halt kein Moderator, und das kann an so einem Freitagabend mal ganz erheiternd sein. Vox ist mit "Born to Cook" eine kleine feine Show gelungen, die vor allem deshalb so ungewöhnlich fürs deutsche Fernsehen ist, weil sie frech sein darf und ihr Gastgeber nur einen rudimentären Plan ihres Ablaufs zu haben scheint. Nur, dass "Born to Cook" nun ein paar Wochen am Stück läuft, anstatt einmal im Monat als Highlight, ist vielleicht keine gute Idee. Anderthalb Stunden Mälzer können nämlich ganz schön satt machen.


Born to Cook", freitags um 21.05 Uhr bei Vox.