Mahnmal-Streit Rosh will Backenzahn heimlich beerdigen

Dann eben unter Ausschluss der Öffentlichkeit: Nach Protesten aus der Jüdischen Gemeinde will Lea Rosh ihr umstrittenes Vorhaben nun heimlich umsetzen: Die Initiatorin des Holocaust-Mahnmals hatte zunächst geplant, den Backenzahn eines jüdischen KZ-Opfers in einer der Betonstelen der Gedenkstätte zu beerdigen.


Publizistin Rosh: "Intimer Vorgang"
DPA

Publizistin Rosh: "Intimer Vorgang"

Hamburg/Berlin - "Der Backenzahn wird beerdigt, weil ich ein Versprechen einzulösen habe. Aber niemand wird erfahren, wo dies sein wird", sagte die freie Publizistin der "Bild"-Zeitung. Das Begräbnis des Backenzahns eines unbekannten KZ-Opfers sei ein viel zu intimer Vorgang, der Ort müsse daher anonym bleiben. Sie werde damit nicht an die Öffentlichkeit gehen. Den Zahn hatte Rosh vor vielen Jahren bei Dreharbeiten gefunden.

Der Zentralrat der Juden in Deutschland und die Jüdische Gemeinde zu Berlin hatten Roshs Vorhaben heftig kritisiert. Protest meldete am Donnerstag auch der Parlamentarische Geschäftsführer der Grünen im Bundestag, Volker Beck, an. Die Aktion widerspreche den jüdischen Vorstellungen von der Totenruhe. Der "Respekt vor den Opfern" verbiete daher das Vorhaben Roshs, hob der Grünen-Politiker hervor. Bereits einen Tag zuvor hatte der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Paul Spiegel, im Interview mit SPIEGEL ONLINE unterstrichen, dass Roshs Vorhaben "eindeutig gegen das jüdische Religionsgesetz verstößt. Wir betrachten das Vorhaben als äußerst pietätlos".



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