Man-Ray-Schau in London Lauter Musen und Geliebte

Man Ray is back: Von Duchamp bis Picasso porträtierte der Fotograf viele seiner Zeitgenossen - und fing so den Geist der französischen Avantgarde ein. Eine große Retrospektive in London würdigt nun sein Werk- zu dem vor allem auch die zahlreichen Bilder seiner Musen und Geliebten zählen.

Getty Images

Von Julia Daumann


Hamburg/London - "A man in love with a woman from a different era. I see a photograph!", phantasiert Man Ray bei Nacht in einem Pariser Café, "I see a rhinoceros", ruft Salvador Dalí dazwischen - so zumindest stellt Woody Allen sich das Paris der goldenen Zwanziger Jahre vor. Seine Komödie "Midnight in Paris" porträtiert die damaligen Dada- und Surrealismusbewegungen durch die Augen eines Zeitreisenden, der sich unter die Künstler mischt.

Ein ähnliches Erlebnis erwartet die Besucher der aktuellen Ausstellung "Man Ray Portraits" in der National Portrait Gallery in London. Die Retrospektive würdigt die Schaffensperiode des US-amerikanischen Künstlers Man Ray zwischen 1916 und 1968 und zeigt zentrale Figuren der avantgardistischen Szene in Paris, die sich von ihrem Freund und Zeitgenossen fotografieren ließen; unter ihnen Virginia Woolf, Coco Chanel und James Joyce. Man Ray gilt heute als Impulsgeber der modernen Fotografie - und als einer der teuersten Fotokünstler des 20. Jahrhunderts.

Dabei wollte der Sohn jüdisch-russischer Einwanderer eigentlich immer Maler werden. Die heute weltberühmten Fotografien dienten anfangs nur der Dokumentation und Reproduktion seiner Zeichnungen und Gemälde. Mit seinen Malereien fand er jedoch wenig Beachtung, dafür entdeckte er sein außergewöhnliches Talent für das Fotografieren. 1921 folgte Man Ray, der eigentlich Emmanuel Rudnitzky hieß, seinem Freund Marcel Duchamp nach Paris, um sich der dadaistischen Bewegung anzuschließen. Er kam genau richtig. Seine experimentelle Technik, die sogenannte "kameralose Fotografie", sorgte schnell für Aufsehen: Verschiedenste Gegenstände wurden auf lichtempfindlichem Fotopapier belichtet. Das Ergebnis traf den Nerv der Zeit - seine "Dada-Fotos" brachten Man Ray den Durchbruch.

Sein Werk besteht aus Skulpturen, Gemälden, lasziven Aktfotos und: Porträts. Diesen widmet sich die Londoner Ausstellung. Sie sind intime Zeitzeugen seiner Pariser Zeit und seines späteren Schaffens in Hollywood. Sich von Man Ray porträtieren zu lassen, gehörte schnell zum guten Ton und bald posierten neben Duchamp, Picasso, Dalí und Breton auch Vertreter der feinsten Pariser Kreise für ihn. Von der Marquise Casati zum Beispiel, fertigte er eine Fotografie an, auf der sie mit drei Augen zu sehen ist. Schon damals fanden einige seiner Arbeiten ihren Weg in etablierte Magazine wie "Vogue" und "Vanity Fair". Nachdem er 1940 gezwungen war, Paris zu verlassen, kehrte Man Ray nach Amerika zurück.

Ein Großteil der 150 Exponate zeigt die zahlreichen Musen und Geliebten des Künstlers: Man Rays Lieblingsmotive waren schöne Frauen. Die Rückenansicht "Le violon d'Ingres" (1924) seiner langjährigen Gefährtin Kiki de Montparnasse, die er mit zwei Violinöffnungen versah, gehört heute zu den legendärsten und auch humorvollsten Surrealistenfotos.

Das Titelbild der Ausstellung ziert eine weitere private Aufnahme: Lee Miller im Jahre 1929. Die Amerikanerin war Man Rays Assistentin, sein Modell und seine Geliebte. Gemeinsam arbeiteten sie viel mit der Technik der Solarisation, also einer Umkehrung der Lichteinwirkung bei starker Überbelichtung des Films. Auch Millers Porträt ist mittels dieser Technik entstanden.

Man Ray starb 1976 in Paris.

"Man Ray Portraits", National Portrait Gallery London, 7. Februar bis 27. Mai 2013.

jud

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