Marie Sophie Hingst Bloggerin täuschte auch ARD-Hörfunkprogramme

Marie Sophie Hingst täuschte Medien unter anderem mit der Behauptung, eine Sexualsprechstunde für Flüchtlinge eingerichtet zu haben. Nach SPIEGEL-Informationen sendeten auch SWR und BR ihre Legenden.

SWR in Stuttgart: die Ausstrahlung bedauert
Arnulf Hettrich/ imago images

SWR in Stuttgart: die Ausstrahlung bedauert

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Marie Sophie Hingst hat auch die ARD-Anstalten SWR und BR mit ihren erfundenen Geschichten getäuscht. Die Bloggerin hatte behauptet, sie habe in Indien eine Slumklinik gegründet und dort eine Sexualberatungssprechstunde für junge Männer eingerichtet, ein ähnliches Angebot habe sie später auch für Flüchtlinge in Deutschland gemacht. Beides ist frei erfunden.

Wie Recherchen des SPIEGEL nun ergaben, hat die Bloggerin diese Legenden im Jahr 2017 auch in Interviews mit der Jugendwelle SWR 3 und im Magazin "Zündfunk" auf Bayern 2 verbreitet. Beide Sender haben diese Beiträge nach einer Anfrage des SPIEGEL inzwischen überprüft und die Ausstrahlung bedauert.

Marie Sophie Hingst, so erklärt der Südwestrundfunk, habe nach Aussagen des verantwortlichen Redakteurs "sowohl in ihren Mails als auch im Gespräch sehr überzeugend gewirkt". Deswegen habe man sie interviewt. "Von heute aus gesehen, war das sicherlich ein Fehler", heißt es beim SWR. Auch der Bayerische Rundfunk erklärt, dass das Auftreten der Bloggerin "in der Interviewsituation äußerst natürlich und authentisch" gewesen sei. Man habe "keinerlei Anhaltspunkte für etwaige Zweifel" gehabt. "Möglicherweise" sei man "nicht so sensibilisiert" gewesen, wie man es hätte "sein müssen".

Marie Sophie Hingst bei der Preisverleihung zur "Bloggerin des Jahres" 2017
obs/ Henrik Andree/ Die Goldenen Blogger

Marie Sophie Hingst bei der Preisverleihung zur "Bloggerin des Jahres" 2017

Beide Sender haben heute nach der SPIEGEL-Anfrage ihr Publikum über den Fälschungsvorgang informiert - SWR 3 im laufenden Programm, der BR auf seiner Internetseite.

Wie der SPIEGEL in seiner aktuellen Ausgabe berichtet, waren auch "Zeit Online" und Deutschlandfunk Nova auf die Hochstaplerin hereingefallen. Marie Sophie Hingst hatte zudem in ihrem Blog "Read on my dear, read on" sowie in gefälschten Opferbögen für die Gedenkstätte Yad Vashem behauptet, sie stamme aus einer jüdischen Familie, die viele Mitglieder im Holocaust verloren habe. Auch diese Angaben erwiesen sich als falsch.

Zuletzt wurde Hingst die Ehrung "Bloggerin des Jahres 2017" für ihren Blog "Read on my dear, read on" aberkannt.



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