Bloggerin und Historikerin Marie Sophie Hingst ist tot

Die Bloggerin Marie Sophie Hingst hatte eine fiktive jüdische Familiengeschichte verbreitet und Holocaust-Opfer erfunden. Wie nun bekannt wurde, ist die 31-Jährige gestorben.

Marie Sophie Hingst
Cliona OFlaherty/ DER SPIEGEL

Marie Sophie Hingst


Die Historikerin und Bloggerin Marie Sophie Hingst ist tot. Das bestätigte ihre Mutter Cornelia Hingst dem SPIEGEL. Zuerst hatte die "Irish Times" über den Todesfall berichtet.

Hingst wurde demnach bereits am 17. Juli tot in ihrer Dubliner Wohnung aufgefunden. Über die Todesursache herrscht noch Unklarheit, da die Ergebnisse der Autopsie noch nicht vorliegen. Laut "Irish Times" geht die Polizei von keinem Fremdeinwirken aus.

Hingst hatte in ihrem Blog "Read on my dear, read on" sowie in gefälschten Opferbögen für die Gedenkstätte Yad Vashem behauptet, sie stamme aus einer jüdischen Familie, die viele Mitglieder im Holocaust verloren habe. Diese Angaben erwiesen sich als falsch.

In der Ausgabe vom 1. Juni 2019 hatte der SPIEGEL dies aufgedeckt (diese Geschichte lesen Sie hier). Außerdem veröffentlichte Hingst in diversen Medien erfundene Berichte über ihre angebliche Arbeit in einer indischen Slum-Klinik und als Sexualtherapeutin für Flüchtlinge in Deutschland.

Der SPIEGEL konfrontierte Marie Sophie Hingst mit den Vorwürfen am 23. Mai in Dublin. Nach der Veröffentlichung drohte sie mit juristischen Schritten gegen den SPIEGEL, die aber nicht erfolgten. Die sachliche Richtigkeit der in dem SPIEGEL-Artikel beschriebenen Tatsachen ist unumstritten.

Zuletzt war Hingst die Ehrung "Bloggerin des Jahres 2017" für ihren Blog "Read on my dear, read on" aberkannt worden. Hingst, geboren in Lutherstadt Wittenberg, hatte nach dem Geschichtsstudium in Berlin am Trinity College in Dublin promoviert. Seit August 2018 hatte sie als Fellow und Projektmanagerin bei Intel Ireland in der irischen Hauptstadt gearbeitet.

hpi



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