Umstrittene Äußerungen Martin Walser distanziert sich von Paulskirchen-Rede

"Ich könnte die Paulskirchenrede so nicht mehr halten" - mit diesem Bekenntnis gegenüber dem SPIEGEL dürfte der Autor die jüdische Community in Deutschland überraschen. 1998 hatte er in Frankfurt von der "Instrumentalisierung des Holocaust" gesprochen.
Schriftsteller Walser: "Das war natürlich fatal."

Schriftsteller Walser: "Das war natürlich fatal."

Foto: Ralf Juergens/ Getty Images

In einem SPIEGEL-Gespräch hat sich der Schriftsteller Martin Walser, 88, deutlich von seiner Rede zur Verleihung des Friedenspreises des deutschen Buchhandels 1998 distanziert. So sei es "vielleicht leichtsinnig" von ihm gewesen, "von der Instrumentalisierung des Holocaust zu sprechen, ohne Namen zu nennen". Lesen Sie hier das ganze Gespräch im neuen SPIEGEL.

Er habe an Günter Grass, Joschka Fischer und Walter Jens gedacht, doch Ignatz Bubis habe geglaubt, er sei gemeint. "Das war natürlich fatal", so Walser. Auch seine Aussage, er schaue weg, wenn die Bilder der in den KZ Ermordeten gezeigt würden, sei irreführend gewesen: "Es wurde mir von jüdischen Intellektuellen mit Recht übel genommen, weil sie glaubten, ich wollte speziell von Auschwitz wegschauen."

Walser stellt im SPIEGEL-Gespräch selbstkritisch fest: "In solche Zusammenhänge darf man sich angesichts dessen, was geschichtlich passiert ist, einfach nicht begeben." Dass er sich überhaupt damals in die Debatte eingemischt habe, sei schon ein Fehler gewesen: "Ich könnte die Paulskirchenrede so nicht mehr halten."

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