MDR und Saarländischer Rundfunk Finanziert oder geschmiert?

Der MDR hat heute erstmals eingeräumt, Schmiergeld erhalten zu haben. Unterdessen erhob der ehemalige Fernsehfilmchef des Saarländischen Rundfunks, Martin Buchhorn, schwere Vorwürfe: Die ARD-Chefs hätten von illegalen Zuwendungen gewusst.

Leipzig/Frankfurt am Main - Im Zusammenhang mit der Affäre um den ehemaligen Sportchef Wilfried Mohren hat der MDR heute erstmals eine illegale Schmiergeldzahlung an den Sender eingeräumt. Die bisherigen Untersuchungen hätten ergeben, dass im Jahr 2000 bei der Einführung der Sportwette Oddset sieben Beiträge im MDR gesendet wurden, für die nicht nur an Mohren Geld gezahlt wurde.

Entgegen ersten Behauptungen des damaligen Fernsehdirektors sei auch Geld an den Sender geflossen, wie Intendant Udo Reiter heute während einer Sondersitzung des Rundfunkrates in Leipzig bekannt gab. "Dies war damals weder mir noch den Gremien bekannt", betonte Reiter. Bei der Ausstrahlung habe es sich eindeutig um Schleichwerbung gehandelt. "Ich kann das nur nachträglich mit großem Bedauern feststellen", fügte der Intendant hinzu.

Als Konsequenz aus der Mohren-Affäre will der MDR seine interne Korruptionsvorsorge verbessern. Man diskutiere zurzeit eine Verstärkung der internen Revision sowie die Einsetzung eines Anti-Korruptionsbeauftragten, sagte Reiter. Zudem sollen Mitarbeiter gegebenenfalls auch ihre geschäftlichen Beziehungen zu Familienangehörigen offen legen müssen.

Die bisherigen Untersuchungen hätten ergeben, dass in der ARD-Serie "Marienhof" 193 Schleichwerbungs-Placements vertraglich vereinbart waren, von denen 117 auch umgesetzt wurden. In der Serie "In aller Freundschaft" hätten sich vier Placementverträge sowie zwölf Fälle ohne Vertrag gefunden. Bei "Tatort"- und "Polizeiruf"-Folgen sei bisher keine Schleichwerbung festgestellt worden.

Mohren sitzt seit 14. Juli in Untersuchungshaft. Ihm wird unter anderem vorgeworfen, Sendezeit des MDR gegen Schmiergeld an Veranstalter und Sportverbände verkauft zu haben. Der MDR hatte Mohren nach einer ersten Prüfung der Unterlagen fristlos gekündigt, wogegen dieser Klage beim Arbeitsgericht Leipzig eingelegt hat. Gestern wurde gegen Mohren ein neuer Haftbefehl vollstreckt. Die Staatsanwaltschaft sprach von einer "neuen Sachlage", ohne Details zu nennen.

Angebliche "Kooperation mit Dritten"

Auch beim Saarländischen Rundfunk ist die Auseinandersetzung um Schleichwerbung in vollem Gange. So hat der ehemalige Fernsehfilmchef des Senders, Martin Buchhorn, der ARD-Führung und seinem ehemaligen Arbeitgeber in der Programmzeitschrift "Hörzu" vorgeworfen, von der Schleichwerbungspraxis gewusst und diese toleriert zu haben. ARD-Programmdirektor Günter Struve und der Saarländische Rundfunk wiesen die heute veröffentlichten Anschuldigungen umgehend zurück.

"Wenn Herr Buchholz über Jahre hinweg in seinen Produktionen für den Saarländischen Rundfunk Schleichwerbung betrieben hat und jetzt Mittäter und Mitwisser sucht, ist er bei mir an der falschen Adresse", sagte Struve heute der Nachrichtenagentur AP. Auch der Sprecher des Saarländischen Rundfunks, Reiner Buhl, erklärte: "Weder der Produktionsfirma noch dem Saarländischen Rundfunk sind Produkt- oder Themenplacements im Zusammenhang mit seinen Tatorten bekannt."

Buchhorn erklärte: "Schleichwerbung und Produktplatzierungen waren immer wieder Thema in den einzelnen Häusern, selbst in den Gremien, in ARD-Koordinationssitzungen. Schleichwerbung war Dauertagesordnungspunkt." Unterm Strich habe die Regel gegolten "Macht's, aber tragt nicht so dick auf", zitiert ihn die "Hörzu". Selbst die Programmbeiräte hätten die mit Kooperationen teilfinanzierten Filme abgesegnet. "Wer behauptet, erst heute sei man darauf gestoßen, der redet Unfug."

Er selbst habe bezahlte Schleichwerbung in seine Filme integriert, um "trotz schwindender Etats und steigender Kosten Spitzenprodukte herzustellen", erklärte Buchhorn. "Was meine Filme anging, war jeder Fall mit dem Direktor, dem Intendanten, dem Justiziar und der Geschäftsführung der Produktionstochtergesellschaft abgestimmt", betonte er. "Wir haben beim Saarländischen Rundfunk eine Sprechregelung dafür gefunden, die dann auch weitgehend in der ARD übernommen wurde. Wir haben das nicht Schleichwerbung genannt, sondern 'Kooperation mit Dritten'." Dies wisse auch ARD-Prorammdirektor Struve, fügte er hinzu.

Wie es in dem Bericht unter Berufung auf Buchhorn weiter hieß, sollen auch Regisseure und Kameramänner Provisionen erhalten haben, wenn sie Schleichwerbung in ihren Filmen platzierten - "in Form von Geld und anderen Leistungen. Der Regisseur wirkt in der Regel kooperativ mit", zitierte ihn das Blatt.

SP-Sprecher Buhl erklärte, Buchhorn sei vom Saarländischen Rundfunk 2002 von seiner Verantwortung für den "Tatort" entbunden worden. Wenn er nun behaupte, er habe früher bezahlte Schleichwerbung in seine Produktionen integriert, dann falle dies auf ihn als ehemaligen "Tatort"-Produzenten, Redakteur und Regisseur selbst zurück.

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