Mediales Geständnis Schauspieler Lawinky räumt Stasi-Tätigkeit ein

Durch eine Attacke auf den Theaterkritiker Gerhard Stadelmaier hatte der Schauspieler Thomas Lawinky erst kürzlich für einen Eklat gesorgt. Jetzt macht er erneut Schlagzeilen. Er hat zugegeben, als Spitzel für die Stasi gearbeitet zu haben.


München - Er habe von August 1987 an unter dem Decknamen "Beckett" für das DDR-Ministerium für Staatssicherheit gearbeitet, sagte Lawinky der "Süddeutschen Zeitung". Das sei "eine Schande, mit der ich leben muss".

Thomas Lawinky in einer Inszenierung des Stücks "Publikums-beschimpfung" (Archiv): "Eine Schande".
DPA

Thomas Lawinky in einer Inszenierung des Stücks "Publikums-beschimpfung" (Archiv): "Eine Schande".

Laut dem Bericht verfasste Lawinky Dossiers über seine Kameraden bei der Nationalen Volksarmee. Er habe die DDR jedoch gehasst und schon im Alter von 14 Jahren einen Fluchtversuch unternommen, sagte der Theaterschauspieler. Seine Mitarbeit für die Stasi habe er aber auch während seines Studiums an der Hochschule für Film und Fernsehen in Babelsberg bis zum Mauerfall 1989 fortgesetzt.

Im Februar hatte Lawinky am Frankfurter Theater für einen Eklat gesorgt. Bei der Premiere des Stücks "Das große Massakerspiel" von Eugène Ionesco hatte er den Theaterkritiker der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", Gerhard Stadelmaier, beleidigt und ihm einen Notizblock aus der Hand gerissen. Lawinkys Gastvertrag mit dem Schauspiel Frankfurt wurde daraufhin in gegenseitigem Einvernehmen aufgelöst. Der Schauspieler habe sein Verhalten hinterher zutiefst bedauert, sagte die Intendantin Elisabeth Schweeger.

Stadelmaier wertete den Angriff als empörende Attacke auf die Presse- und Meinungsfreiheit. Der Vorfall fachte die Debatte um den Inszenierungsstil des modernen Regietheaters an.

har/ap/dpa



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