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20. Januar 2007, 17:46 Uhr

Medien-Krise

Älteste Zeitung der Welt wird nicht mehr gedruckt

Die älteste noch erscheinende Zeitung der Welt, die im 17. Jahrhundert gegründete "Post och Inrikes Tidningar" (PoIT), hat in den letzten Jahren massiv Leser verloren. Jetzt hat das schwedische Blatt sogar seine Print-Ausgabe eingestellt und sich ganz ins Internet verlagert.

Stockholm - "Von einem kulturellen Standpunkt gesehen ist es natürlich eher traurig, dass die Druckversion verschwunden ist, aber es ist doch toll, dass es sie so lange gab", sagte der ehemalige Chefredakteur Hans Holm am Wochenende. "Unsere Zeitung ist als älteste noch erscheinende Zeitung der Welt anerkannt." Am 29. Dezember 2006 erschien die letzte Printausgabe, seit dem 1. Januar gibt es die offizielle Regierungszeitung Schwedens nur noch digital - im Internet.

Hans Holms im Archiv: Der Ex-Herausgeber der "Post Hans Holmoch Inrikes Tidningar" mit der Ausgabe vom 6. April 1796
AFP

Hans Holms im Archiv: Der Ex-Herausgeber der "Post Hans Holmoch Inrikes Tidningar" mit der Ausgabe vom 6. April 1796

Schon zu ihrer Gründung im Jahr 1645 war die PoIT die Die schwedische Regierungszeitung: Gegen Ende des Dreißigjährigen Krieges habe die schwedische Regierung befunden, sie sei ihrem Volk gegenüber zu mehr Transparenz verpflichtet, so Holm. Die damalige Königin Christina und ihr Kanzler Axel Oxenstierna hätten daher die Zeitung geschaffen, um darzulegen, "wofür all das Geld ausgegeben wurde". Später kamen Berichte über Epidemien, Krankheiten und den schwedischen Wechselkurs hinzu, außerdem Wetterberichte, Dichtung und Romane. "Im 18. Jahrhundert war sie eine vollständige Zeitung geworden", sagte Holm. Bis Ende des 19. Jahrhunderts hatte die PoIT damit ein Monopol für nationale und internationale Berichte. Erst dann erschienen Konkurrenzzeitungen.

Mit der steigenden Konkurrenz schränkte die Zeitung ihr Angebot wieder ein. Schließlich veröffentlichte die Druckversion des Blattes nur noch die Pflichtanzeigen, die Wirtschaft und politische Institutionen wegen bestehender Gesetze veröffentlichen müssen. PoIT-Abonnenten waren daher hauptsächlich Banken, Gerichte, Anwälte, Bibliotheken und Behörden. Nie in ihrer Geschichte druckte die PoIT Werbeanzeigen oder Fotos.

Die letzte Printausgabe, mit Datum vom 29. Dezember 2006, erschien mit einer Auflage von etwa 1500 Stück. Die neue Internetversion kann hingegen jeder kostenlos lesen - weshalb der neue PoIT-Chefredakteur Roland Haegglund auch auf mehr Leser für sein Blatt hofft: "Jetzt hat jeder die Möglichkeit, sich zu informieren."

fba/AFP

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