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18. April 2006, 07:07 Uhr

Medien

Pulitzer-Preise für Berichte über Hurrikan "Katrina"

Für ihre Berichterstattung über den Hurrikan "Katrina" im vergangenen Sommer haben zwei Regionalzeitungen aus den USA einen der begehrten Pulitzer-Preise bekommen. Die meisten Auszeichnungen räumte jedoch die "Washington Post" ab.

New York - Die Jury würdigte gestern Abend an der Columbia University in New York die "heroische" Arbeit der Journalisten bei der Zeitung "Times-Picayune" in New Orleans und beim "Sun Herald" in Biloxi im Bundesstaat Mississippi. Der Sturm war im August über die US-Küste hinweggefegt, hatte rund 1600 Menschen das Leben gekostet und Hunderttausende obdachlos gemacht. In New Orleans wurde die Redaktion der dortigen Zeitung "Times-Picayune" überschwemmt. Die Angestellten mussten fliehen und richteten eine Ersatzredaktion im rund 80 Meilen entfernten Baton Rouge ein.

Für ihre tapfere und verständliche Berichterstattung über die schlimmste Naturkatastrophe des Landes verlieh die Pulitzer-Jury ihr und der "Sun Herald" nun den begehrten Journalisten-Preis für den "Dienst an der Öffentlichkeit". Die Berichte seien eine Rettungsleine für die am Boden zerstörten Leser gewesen, hieß es in der Erklärung des Preisgremiums.

Die "Times-Picayune" gewann zusätzlich den Preis in der Kategorie "Breaking News" für die Berichterstattung über unerwartete Ereignisse. "Wir haben keinen einzigen Erscheinungstag verpasst, und das ist ein Vermächtnis für alle in diesem Raum", sagte "Sun-Herald"-Verleger Ricky Matthews. "Der beste Journalismus aber liegt immer noch vor uns."

Auch in der Kategorie Fotografie stand "Katrina" im Zentrum: "The Dallas Morning News" wurden für Fotos ausgezeichnet, die der Jury zufolge das durch den Hurrikan verursachte Chaos und Leid abbildeten.

Die "Washington Post" wurde gleich in vier Kategorien ausgezeichnet, unter anderem für die Aufdeckung der Bestechungspraktiken des US-Lobbyisten Jack Abramoff sowie für die Berichterstattung über geheime CIA-Gefängnisse im Ausland. Ein weiterer Journalist der Zeitung erhielt den Preis für seine Berichte über den Versuch der US-Regierung, die Demokratie in den Jemen zu bringen.

Drei Preise gingen an die "New York Times", darunter derjenige in der Kategorie "Nationale Reportage" für die Berichte über die Bespitzelung von US-Bürgern durch die Regierung in Washington. Die "Times"-Reporter Joseph Kahn und Jim Yardley erhielten den Preis für Internationale Reportage für ihre Artikel über das Justizwesen in der Volksrepublik China.

Den Pulitzer-Preis für Prosaliteratur gewann Geraldine Brooks für ihren zweiten Roman "March" über den amerikanischen Bürgerkrieg. Der Lyrik-Preis ging an Claudia Emerson mit dem Werk "Late Wife". In der Musik wurde Yehudi Wyner für sein "Piano Concerto: Chiavi in Mano" mit dem Pulitzer gewürdigt. Der Preis in der Kategorie Drama wurde trotz drei Nominierungen nicht vergeben.

lan/AFP/Reuters

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