Umfrage des Bayerischen Rundfunks Mehrheit der Deutschen hält Medien für gelenkt

"Teil des Systems": Die meisten Deutschen betrachten Nachrichtenmedien als Stützen des Establishments. Das zeigt eine Umfrage des Bayerischen Rundfunks.
Deutsche Tageszeitungen

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Foto: Sven Hoppe/ picture alliance / dpa

Die Mehrzahl der Menschen in Deutschland hält Nachrichtenmedien für gelenkt und für Stützen des Establishments. Das zeigt eine in München veröffentlichte repräsentative Umfrage  des Instituts TNS emnid für den Bayerischen Rundfunk. Demnach denken sechs von zehn Befragten, dass auf Nachrichtenmedien Einfluss genommen wird, beispielsweise worüber oder auf welche Art Medien berichten. Nur gut ein Drittel der Befragten hält die Berichterstattung der deutschen Nachrichtenmedien für wirklich unabhängig. "Als Handelnde im Hintergrund gelten insbesondere Politik (Regierung und Parteien) und Wirtschaft (Lobbyismus und Druck von Werbekunden)", heißt es in der Umfrage.

Mehr als die Hälfte der Befragten gab außerdem an, aus ihrer Sicht kontrollierten die "Mächtigen" im Land - also Staat, Regierung, Wirtschaft, einflussreiche Personen und Interessengruppen - die Nachrichtenmedien. Eine gesellschaftliche Kontrollfunktion im Sinne einer vierten Gewalt wird der Erhebung zufolge am ehesten Wochenzeitungen und Nachrichtenmagazinen, öffentlich-rechtlichem Fernsehen und Tageszeitungen zugestanden.

"Unbehagen gegenüber Eliten"

Die Studie spricht im Fazit von einem allgemeinen "Unbehagen gegenüber Politik, Wirtschaft und anderen gesellschaftlichen Eliten", das sich im Zuge der Krisen der vergangenen Jahre manifestiert habe. Dieses Unbehagen erfasse auch die Medien, weil sie als "Teil des Systems" wahrgenommen würden. "Der Eindruck, dass die Medien das Establishment stützen oder gar von ihm gelenkt werden, gibt diesem Dilemma weitere Nahrung." Darüber hinaus würden Medien in Mithaftung genommen für die Inhalte, die sie übermitteln.

Vor diesem Hintergrund sei auch die hohe Zustimmung zu der Einschätzung zu werten, dass in den Medien häufig absichtlich die Unwahrheit gesagt werde. So gab nicht einmal die Hälfte der Befragten an, dass Medien Sachverhalte so wiedergeben würden, wie sie wirklich sind.

Zu den größten Defiziten der Nachrichtenmedien zähle, dass aus Sicht der Befragten zu viel über Probleme und zu wenig über Lösungen berichtet werde - 76 Prozent entschieden sich hier für die Antwort "trifft völlig/eher zu". Außerdem vereinfachten Medien Sachverhalte zu sehr und verbreiteten so Vorurteile. Auch gingen sie zu wenig auf Folgen der Entscheidungen von Politikern und Wirtschaftsführern für die Menschen ein. Darüber hinaus geht eine Mehrheit der Befragten davon aus, dass Medien berechtigte Meinungen ausblendeten, die sie für unerwünscht hielten.

mka/dpa
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