Medienkrise DuMont fordert Staatshilfe für Zeitungen

Alfred Neven DuMont verlegt Blätter wie die "Frankfurter Rundschau", für die Branche aber sieht er schwarz. In einem Zeitungsbeitrag schreibt der Patriarch, es könne in 20 Jahren in der westlichen Welt "keine Tageszeitung mehr" geben - und will ein staatliches Hilfsprogramm.
Alfred Neven DuMont (hier 2007): "Kulturgut Zeitung"

Alfred Neven DuMont (hier 2007): "Kulturgut Zeitung"

Foto: DDP

Hamburg/Köln - Abwrackprämie fürs Altpapier? Der Verleger Alfred Neven DuMont hat von der Politik Hilfe für das bedrohte "Kulturgut Zeitung" gefordert. Die Auflageneinbrüche und die Anzeigenkrise seien so dramatisch, dass die Zeitungen in ihrer Existenz gefährdet seien, schrieb er in einem Beitrag für die Samstagsausgaben der Abonnementszeitungen der Kölner Mediengruppe M. DuMont Schauberg. Wenn nicht gegengesteuert werde, könne es "in 15 oder 20 Jahren keine Tageszeitung mehr in der westlichen Welt" geben.

Das Anzeigenaufkommen der Zeitungen ist in der Wirtschaftskrise stark zurückgegangen. Zum Teil hat sich das Anzeigengeschäft aber auch dauerhaft ins Internet verlagert, wo die Preise viel niedriger sind. Dazu sinkt die Zahl der Zeitungsabonnenten.

Neven DuMont wies darauf hin, dass die Politik in anderen Ländern schon reagiert habe. So habe das "Zeitungsland" Großbritannien auf die Mehrwertsteuer verzichtet. Frankreich finanziere für mehrere 100 Millionen Euro Freiabonnements, speziell für junge Leser.

In Deutschland dagegen sei "abgesehen von Sonntagsreden" bisher nichts geschehen. Nach dem Vorbild anderer europäischer Nationen sei "zu fordern, dass die deutsche Politik nicht länger abseits steht und zielstrebig ein eigenes Programm auflegt".

Neven DuMont ist Aufsichtsratsvorsitzender von M. DuMont Schauberg. Die Mediengruppe verlegt unter anderem die "Frankfurter Rundschau", die "Berliner Zeitung", den "Kölner Stadt-Anzeiger" und die in Halle erscheinende "Mitteldeutsche Zeitung".

Scharf attackierte er auch das Bundeskartellamt, das eine stärkere Kooperation der Verlage unterbinde: "Die krassen Engpässe, denen die Presse seit Jahr und Tag ausgesetzt ist, interessieren nicht." Mit Blick auf die Medien selbst beklagte Neven DuMont einen Mangel an Solidarität, Realitätssinn und Offenheit für Veränderungen: "Alles, was sich verändert, ist verdammenswert", charakterisierte er die Haltung brancheninterner Kritiker.

sha/dpa