Medienkrise Gruner + Jahr baut Wirtschaftstitel um - und streicht Stellen

Europas größter Zeitschriftenverlag reagiert auf die Krise: Gruner + Jahr verlegt angesichts wegbrechender Werbeeinnahmen insgesamt drei Wirtschaftstitel von Köln und München nach Hamburg. Rund 60 Stellen werden vermutlich gestrichen.


Hamburg - Ab März 2009 soll eine Zentralredaktion die unterschiedlichen Wirtschaftspublikationen von Gruner + Jahr bestücken. Dazu gehören die "Financial Times Deutschland" (FTD), die Magazine "Capital" und "Impulse", die bisher in Köln beheimatet waren, und das Anlegermagazin "Börse Online", derzeitiger Redaktionssitz München.

Verlag Gruner + Jahr: Standorte in Köln und München werden geschlossen
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Verlag Gruner + Jahr: Standorte in Köln und München werden geschlossen

Wie der Verlag mitteilte, wird die in Hamburg zusammengelegte Redaktion von einem Kollegium unter Leitung von "FTD"-Chefredakteur Steffen Klusmann geführt. Rund 250 Vollzeitkräfte sollen ihr angehören. Die Standorte Köln und München werden geschlossen.

Wie Alexander Adler, Sprecher von Gruner + Jahr, SPIEGEL ONLINE sagte, sollen insgesamt 110 Vollzeitstellen gestrichen werden. Dafür werden 50 Stellen in der neuen Zentralredaktion geschaffen, so dass bei der Umstrukturierung 60 Stellen wegfallen.

Gekündigte Mitarbeiter müssen sich allerdings für die 50 neuen Stellen in der Zentralredaktion erneut bewerben, und zwar "zu den Bedingungen, die in der neuen Gesellschaft Usus sind."

Die Chefredakteure Dr. Ursula Weidenfeld ("Impulse"), Stefanie Burgmaier ("Börse Online") und Klaus Schweinsberg ("Capital") sollen aber die inhaltliche Verantwortung für ihre Marken behalten.

Für Schweinsberg wird dies allerdings nicht mehr lange gelten: Am Dienstag wurde bekannt, dass er den Verlag Anfang 2009 verlassen wird. Der Mitteilung des Verlags ist jedoch zu entnehmen, dass seine Position offenbar wiederbesetzt werden soll.

Die gemeinsame Redaktion gliedert sich künftig in die Ressorts Unternehmen, Mittelstand/Gründer/Steuern, Geldanlage, Finanzen News, Politik, Lifestyle und Agenda. Über die Besetzung der Ressortleitungen soll in den kommenden Wochen entschieden werden.

Zusätzlich sollen je ein Reporter- und Autorenteam eingerichtet werden. Die Aufgaben des Layouts und der Chefs vom Dienst werden jeweils aus einem Team heraus wahrgenommen, die Online-Redaktionen werden zusammengelegt.

Überraschend sind diese Sparmaßnahmen nicht: Vor mehreren Wochen hatte Gruner + Jahr bereits eine mögliche Schließung von Titeln angedeutet.

Es sei "notwendig, dass wir in den nächsten Wochen in all unseren Ländern unser Portfolio um jene Titel bereinigen, die keine Aussicht haben, die Krise zu überstehen", schrieb Vorstandschef Bernd Kundrun an seine Mitarbeiter. Namen nannte Kundrun damals jedoch nicht. Außerdem verordnete der Vorstand eine Kürzung der Spesen, Reise- und Veranstaltungskosten um 20 Prozent.

Gruner + Jahr ist nicht der einzige Verlag, der sich aufgrund einbrechender Werbeeinahmen im Zuge der weltweiten Wirtschaftskrise gezwungen sieht, Sparmaßnahmen zu ergreifen.

Vor einigen Wochen hatte die WAZ-Gruppe ("Westdeutsche Allgemeine Zeitung" "Neue Ruhr/Rhein Zeitung", "Westfälische Rundschau") angekündigt, rund 300 Stellen zu streichen. Vergangene Woche machte dann die Südwestdeutsche Medien Holding (SWMH), Mehrheitseignerin des Süddeutschen Verlags, publik, dass es auch bei der "Süddeutschen Zeitung" Einschnitte geben wird.

chc/tdo/dpa/AP



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