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Medienkrise: Eine Zeitung folgt der nächsten

Foto: Stephanie Pilick/ dpa

Medienkrise Größte Entlassungswelle seit 1949

"Frankfurter Rundschau", "Financial Times Deutschland", "Abendzeitung Nürnberg" - derzeit erschüttern immer neue Hiobsbotschaften Deutschlands Zeitungslandschaft. Experten sagen jetzt: So viele Stellen gingen noch nie verloren.

Nürnberg/Frankfurt/Main - Hier fast 500 Mitarbeiter, da 300, dort vielleicht 80: Die deutsche Presse erlebt derzeit die größte Entlassungswelle seit Bestehen der Bundesrepublik, schätzt die Bundesagentur für Arbeit. "Vorher sind mal einzelne Redaktionen insolvent gegangen. Aber das war nie die Größenordnung, die heute erreicht wird, wo wir mehrere Redaktionen haben, die viele Menschen freisetzen", sagte ein Sprecherin der Bundesagentur in Nürnberg.

Die Erlöse auf dem Print-Anzeigenmarkt sind gesunken, deswegen hatten Verlage zuletzt Zeitungen ganz geschlossen oder zumindest angekündigt, Arbeitsplätze abzubauen oder umzustrukturieren. Hunderte Arbeitsplätze sind insgesamt betroffen. Die Wirtschaftszeitung "Financial Times Deutschland" erscheint am kommenden Freitag zum letzten Mal. Die "Frankfurter Rundschau" hatte vor rund zwei Wochen Insolvenz angemeldet. Schon Ende September war die "Abendzeitung Nürnberg" nach 93 Jahren eingestellt worden.

Allein die Insolvenz der "Frankfurter Rundschau" bedroht fast 500 Arbeitsplätze. Bei den Gruner + Jahr-Wirtschaftsmedien, zu denen die "Financial Times Deutschland" gehört, sind mehr als 300 Mitarbeiter betroffen. Der "Berliner Verlag" ("Berliner Kurier" und "Berliner Zeitung") sieht sich nach eigenen Worten gezwungen, mindestens 40 Stellen einzusparen, vielleicht werden es auch doppelt so viele. Bei der "Abendzeitung Nürnberg" wurden 35 Mitarbeiter arbeitslos.

"Die Insolvenz des einen und das Aus für das andere Blatt sind Menetekel"

"Es ist ein schwieriger Markt im Augenblick", sagte die Sprecherin der Bundesagentur. "Die Chancen, dass gerade die Kollegen aus dem Printbereich auch wieder im Printbereich unterkommen, sind nicht wahnsinnig gut." Es gebe Alternativen im Online-Bereich oder in der Unternehmenskommunikation.

"Es wird aber sicher für viele schwierig werden, wieder im Journalismus unterzukommen", sagte die Sprecherin. "Man kann auch schauen, sich mit freiberuflicher Tätigkeit selbstständig zu machen, aber da braucht man sehr viel Durchhaltevermögen." Die Arbeitsagenturen setzten bei arbeitslosen Journalisten vor allem auf Eigeninitiative, die Agentur könne weniger vermitteln als beraten.

Uwe Vorkötter, 58, hatte bis zum vergangenen Juni die "Frankfurter Rundschau" und die "Berliner Zeitung" mit geleitet. Er sieht in den Massenentlassungen den Beginn einer Pleitewelle: "Die Krise, die seit Jahren beschworen wird, hat ihre ersten beiden prominenten Opfer gefordert. Es werden nicht die letzten sein", schreibt der frühere Chefredakteur in einem Gastbeitrag für das "medium magazin" (Ausgabe 12/2012) angesichts der Einstellung der "Financial Times Deutschland" und der drohenden Pleite der "Frankfurter Rundschau". "Die Insolvenz des einen und das Aus für das andere Blatt sind Menetekel."

Vorkötter warnte die Branche vor weiteren Sparrunden ohne Konzepte für den digitalen Wettbewerb: "Bleibt im Prinzip alles, wie es ist, und man spart einfach auf der Kostenseite den sinkenden Erlösen hinterher? Dann werden bald auch die Starken schwach."

fln/dpa
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