Ein Jahr Kritische Edition "Mein Kampf" verkauft sich 85.000 Mal

Es war wohl die heikelste Veröffentlichung 2016 - und sie wurde zum Verkaufserfolg: Im ersten Jahr hat die kommentierte Ausgabe von Hitlers Hetzschrift "Mein Kampf" die Erwartungen übertroffen.

AFP

"Diese Verkaufszahlen haben uns überrollt, damit konnte wirklich niemand rechnen", sagte der Direktor des Institutes für Zeitgeschichte (IfZ), Andreas Wirsching. Die Ausgabe, in der Hitlers Originaltext von wissenschaftlichen, einordnenden Kommentaren begleitet wird, war am 8. Januar 2016 erschienen und hat sich seither 85.000 Mal verkauft. (Lesen Sie hier eine kritische Stellungnahme des "Er ist wieder da"-Autors Timur Vermes für SPIEGEL ONLINE).

Das Projekt sollte denjenigen zuvorkommen, die das Buch nach dem Auslaufen der Urheberrechte unter Umständen unkommentiert und nicht zu wissenschaftlichen Zwecken nachdrucken wollten. "Es wäre unverantwortlich gewesen, diesen Text vagabundieren zu lassen", betont Wirsching.

Tatsächlich gab es auch nach der kritischen Edition des IfZ wieder Versuche, das Buch unkommentiert zu veröffentlichen. So gab der als rechtsextrem geltende Leipziger Verlag Der Schelm im Mai bekannt, "Mein Kampf" herausbringen zu wollen. Daraufhin begann die Justiz zu ermitteln.

Nach dem großen Verkaufserfolg wird im Januar nun eine achte Ausgabe der kommentierten Ausgabe erscheinen. Außerdem arbeitet die bayerische Landeszentrale für politische Bildung derzeit an einer Schrift, wie Auszüge aus "Mein Kampf" auch für die historische Quellenarbeit im Geschichtsunterricht genutzt werden können. "Es geht darum, sensibel mit einer schwierigen und historisch sehr belasteten Quelle umzugehen", sagte ein Sprecher des Kultusministeriums.

Vor der Veröffentlichung soll der Landtag informiert werden. Einen konkreten Termin gibt es noch nicht.

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"Mein Kampf": Hitler und seine Hetzschrift

cbu/dpa

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