Ex-"Stern"-Chefredakteur Michael Jürgs ist tot

Von 1986 bis 1990 war er Chefredakteur des Magazins "Stern", er moderierte die NDR- Talkshow, schrieb Sachbücher. Jetzt ist Michael Jürgs im Alter von 74 Jahren gestorben.

Der Journalist Michael Jürgs ist verstorben
Daniel Reinhardt/ DPA

Der Journalist Michael Jürgs ist verstorben


Der Publizist und frühere "Stern"-Chefredakteur Michael Jürgs ist tot. Er starb in der Nacht zu Freitag im Alter von 74 Jahren in Hamburg. Das bestätigte seine Ehefrau der Deutschen Presse-Agentur.

Jürgs galt als einflussreicher Journalist und Medienmacher. Erst in diesem Jahr wurde er mit dem Theodor-Wolff-Preis ausgezeichnet. In einem Gespräch mit dem SPIEGEL sagte Jürgs im April: "Ich wollte immer nur Journalist werden, (...) weil ich daran glaubte und noch heute daran glaube, dass man mit Worten die Welt verändern kann."

Jürgs, am 4. Mai 1945 in Ellwangen geboren, begann seine journalistische Karriere 1965 bei der Münchner "Abendzeitung" als Volontär mit abgebrochenem Studium. Drei Jahre später, im Alter von 23 Jahren und inmitten der gesellschaftspolitischen 68er-Bewegung, wurde er kurzzeitig Feuilletonchef des Blattes. 1976 wechselte er als Ressortleiter Unterhaltung zum Magazin "Stern" in Hamburg und stieg zum Chefredakteur auf (1986 bis 1990).

1990 kam es zu einem Eklat, als das Blatt ein Meinungsstück unter der Überschrift: "Sollen die Zonis bleiben, wo sie sind?" druckte. Jürgs musste den "Stern" daraufhin verlassen und heuerte als Chefredakteur beim Zeitgeistmagazin "Tempo" an, wo er bis 1994 blieb. Von 1992 bis 1994 übernahm er zusätzlich die Co-Moderation der NDR-Talkshow.

Neben seiner journalistischen Tätigkeit war Jürgs auch als Sachbuchautor aktiv, einige seiner Bücher wurden Bestseller und in andere Sprachen übersetzt. Vor allem seine Biografien waren große Erfolge, darunter "Der Fall Romy Schneider" (1991). Jürgs interviewte die Schauspielerin auch 1981, die Begegnung wurde in dem Spielfilm "3 Tage in Quiberon" verfilmt.

1995 folgte eine Biografie von Axel Springer, 1997 sorgte sein Buch "Die Treuhändler" über die Abwicklung der DDR-Wirtschaft für Aufsehen. Kurz darauf machte sich Jürgs mit dem Polit-Thriller "Das Kleopatra-Komplott" auch als Romanautor einen Namen.

Vor allem Jürgs' Positionen zur Wiedervereinigung blieben streitbar, wie 2005 sein Buch "Typisch Ossi, typisch Wessi" zeigte, in dem seine Kollegin Angela Elis als "Ossi" und er selbst als "Wessi" auftraten. Das Buch wurde zwiespältig aufgenommen. 2008 ging Jürgs auf eine Deutschlandreise, die er unter dem Buchtitel "Wie geht's, Deutschland?" subsumierte.

Michael Jürgs blieb bis ins Jahr 2017 publizistisch aktiv, zuletzt veröffentlichte er im "Tagesspiegel" den Fortsetzungsroman "Und erlöse uns von allen Übeln", in den er aktuelle Ereignisse während des Bundestagswahlkampfes in diesem Jahr einflocht.

Im August 2018 machte Jürgs öffentlich, dass er an Krebs erkrankt war. Er hinterlässt seine Ehefrau und einen Sohn.

kae/dpa



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