Berühmter Großstadt-Fotograf Michael Wolf ist tot

Die Enge in U-Bahnen interessierte ihn genauso wie die eigentümliche Schönheit von Wolkenkratzern: Mit seinen Fotos von urbaner Verdichtung prägte der Fotoreporter Michael Wolf unser Bild von Megacitys. Nun ist er gestorben.

Michael Wolf/ laif

Der preisgekrönte Fotograf Michael Wolf ist tot. Er sei am Mittwoch im Schlaf in seiner Wahlheimat Hongkong gestorben, teilte Galeristin Sarah Greene mit, die mit Wolf zusammengearbeitet hatte. Über die Todesursache ist nichts bekannt.

Wolf wurde 1954 in München geboren, wuchs aber in Kanada, Europa und den Vereinigten Staaten auf. Er studierte zunächst an der Berkeley Universität in Kalifornien, bevor er in sein Geburtsland zurückkehrte und an der Folkwang Schule bei Otto Steinert Fotografie studierte.

Michael Wolf vor Bildern der Serie "Toyko Compression"
Jeff Spicer/ etty Images

Michael Wolf vor Bildern der Serie "Toyko Compression"

Gleich mit seiner Abschlussarbeit an der Folkwang Schule, einer Sozialreportage über die Ruhrgebietsstadt Bottrop, sorgte Wolf für Aufsehen. 1994 zog er als fester Fotograf für den "Stern" nach Hongkong, wo einige seiner berühmtesten Aufnahmen entstanden: Unter dem Schlagwort Megacitys fand er eindrückliche Bilder von urbaner Verdichtung, erst in Hongkong, dann auch in Städten wie Paris oder Tokyo.

Aus der japanischen Riesenstadt stammt die berühmte Fotoserie "Tokyo Compression", die Menschen in den vollgestopften U-Bahnen der Stadt zeigte und für die Wolf mit dem World Press Award ausgezeichnet wurde. Wolf hat über ein Dutzend Fotobücher veröffentlicht, außerdem stellte er weltweit in Museen aus. Erst im Winter 2018 war seine große Werkschau "Life in Cities" im Haus der Fotografie in den Hamburger Deichtorhallen zu sehen.

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Michael Wolf: Mensch und Struktur im Blick

"Hongkong war seine Lieblingsstadt", sagte Greene, die von 2013 bis 2018 mit Wolf bei Ausstellungen und Buchprojekten zusammenarbeitete. "Die Stadt hat ihn immer wieder inspiriert, er hat in seiner ikonischen Reihe 'Architecture of Density' aus dem Bienenstock weggezoomt und in die Adern der Stadt reingezoomt, die eigentümliche Schönheit der Seitengassen erforschend."

Im Deutschlandfunk erklärte Wolf seine Begeisterung für China einmal so: "In Englisch nenn' ich das immer 'unpredictable', also diese Unvorhersehbarkeit, die man in China erlebt, wo man wirklich nicht weiß, wenn ich um diese Ecke gehe, was erwartet mich da. Das kann ein Riesenloch sein, wo ein Pferd ersäuft oder das kann auch ein Panzer sein. Ist alles schon passiert."

hpi/AP



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