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02. Juni 2019, 12:33 Uhr

Visionärer Philosoph

Michel Serres ist tot

Die Grenzen zwischen Geistes- und Naturwissenschaften aufheben, um die Menschheit vor dem globalen Inferno zu bewahren: Das war die Mission von Michel Serres. Nun ist der französische Philosoph mit 88 Jahren gestorben.

Der französische Philosoph Michel Serres ist tot. Er starb am Samstag im Alter von 88 Jahren, wie die französische Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf seine Verlegerin Sophie Bancquart berichtet.

Serres' Tod löste in Frankreich Trauer und Betroffenheit aus. Der für Bildung verantwortliche Minister Jean-Michel Blanquer würdigte die Güte des bekannten Philosophen. "Sein Denken über die Bildung wird uns weiter beeinflussen(...)", schrieb Blanquer bei Twitter. "Sein schelmisches Lächeln wird uns fehlen", teilte Wirtschafts- und Finanzminister Bruno Le Maire ebenfalls via Twitter mit.

Serres schrieb mehr als 50 Bücher, viele davon erschienen auch in Deutschland. In "Das eigentliche Übel" geißelte er die schmarotzerhafte Aneignung der Welt durch den Menschen. In "Erfindet euch neu! Eine Liebeserklärung an die vernetzte Generation" forderte er dazu auf, den technologischen Wandel als Chance zu nutzen, um alles neu zu erdenken - angefangen vom Bildungssystem bis zur Gesellschaft.

Das globale Inferno abwenden

Für sein Denken erhielt der Philosoph 2012 unter anderem den deutschen Meister-Eckhart-Preis. Die Begründung lautete damals, Serres liefere "brillante Einsichten in die Strukturen unseres Denkens".

Serres galt als Universaldenker, der die Grenzen von Wissenschaftsdisziplinen überschritt. Er vertrat ein ganzheitliches Wissenschaftsverständnis: Nur wenn die Menschen lernten, über ihren eigenen Tellerrand zu blicken, sei das globale Inferno noch abwendbar, hatte Serres in Büchern und Interviews gewarnt.

Der Philosoph stammte aus dem südwestfranzösischen Agen. Als junger Erwachsener trat er in die Marineschule in Brest ein, dann begann er mit dem Studium der Philosophie und wurde 1969 Professor für Wissenschaftsgeschichte an der Pariser Sorbonne.

Im Jahr 1984 begann er zudem an der Stanford University im US-Bundesstaat Kalifornien zu unterrichten. Als Vermittler zwischen den Wissenschaften wurde er 1990 in die Académie française aufgenommen, Frankreichs bedeutendster Gelehrtengesellschaft.

hpi/dpa/AFP

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