Michelle Obamas Memoiren "Eine überwältigende Welle von Lust, Dankbarkeit, Erfüllung"

Eheprobleme, künstliche Befruchtung, sexuelle Lust: nicht gerade Themen, über die eine frühere First Lady in der Öffentlichkeit spricht. Michelle Obama tut es in ihren Memoiren - und bricht noch weitere Tabus.

Michelle und Barack Obama
Getty Images

Michelle und Barack Obama


Michelle Obama war die erste schwarze First Lady, legte mit benachteiligten Kindern ein Gemüsebeet im Garten des Weißen Hauses an, wurde zur Stilikone und scheute sich auch nicht, gewagte Dance Moves in der Öffentlichkeit vorzuführen - mit oder ohne Barack Obama, ihrem Ehemann. In das politische Tagesgeschehen mischte sie sich nie ein und bewegte doch eine Menge in der amerikanischen Gesellschaft. Nun hat die 54-Jährige ihre Memoiren veröffentlicht - mit sehr privaten und teils delikaten Details aus ihrem Leben.

"Becoming - Meine Geschichte" heißt die Autobiografie, die in mehr als 20 Sprachen erscheint, in Deutschland bei Goldmann. Mehr als 500 Seiten hat sie, unterteilt in drei große Blöcke: Michelles Kindheit in einem ärmlichen Teil Chicagos, ihre Jugend und ihre Studienzeit an den Eliteuniversitäten Harvard und Princeton. Darin beschreibt sie, wie ihre Eltern ihr früh beibrachten, ihre Meinung zu sagen. Und weil ihr Vater an Multipler Sklerose erkrankte, beschloss sie, etwas Besonderes zu machen.

Eheprobleme und künstliche Befruchtung

Im zweiten Teil erzählt sie, wie sie Barack Obama, den lebenslustigen Jurastudenten, kennenlernt, und offenbart extrem Persönliches: "In dem Moment, in dem ich zuließ, überhaupt etwas für Barack zu empfinden, überfluteten mich die Gefühle - eine überwältigende Welle von Lust, Dankbarkeit, Erfüllung und Bewunderung." Worte, die man so noch nicht von einer First Lady gehört oder gelesen hat.

Sie berichtet auch von den Problemen, schwanger zu werden, und dass dem Paar schließlich künstliche Befruchtung half, die beiden Töchter zu bekommen. Sie erzählt, dass sie und Barack Obama zur Eheberatung gingen, um an ihrer Beziehung zu arbeiten.

Und im dritten Teil berichtet sie, von ihrer Zeit im Weißen Haus, den Belastungen. Unter anderem davon, wie Donald Trump immer wieder die Spekulationen anheizte, dass Barack Obama gar nicht in den USA geboren und somit kein Amerikaner sei.

"Becoming"-Buchcover
AP/Crown

"Becoming"-Buchcover

"Das war gefährlich, weil er absichtlich Extremisten und Verrückte angestachelt hat", schreibt Michelle Obama. "Was wäre gewesen, wenn ein Verrückter mit einer geladenen Waffe nach Washington gefahren wäre? Was, wenn diese Person unsere Mädchen gesucht hätte? Donald Trump hat mit seinen lauten und rücksichtslosen Sticheleien die Sicherheit meiner Familie gefährdet. Und das werde ich ihm niemals verzeihen."

Auch zu ihren eigenen politischen Ambitionen äußert sie sich sehr deutlich: "Ich habe keine Absicht, jemals für ein Amt zu kandidieren", schreibt sie. "Ich war noch nie ein Fan von Politik, und meine Erfahrung der vergangenen zehn Jahre hat wenig dazu beigetragen, das zu ändern." Sie sei vielmehr der Meinung, erklärtesie in einem Interview, dass man nicht in die Politik gehen müsse, um etwas zu bewirken und anderen zu helfen. Das wolle sie mit ihrem Buch vor allem jungen Menschen vermitteln.

Michelle Obama wird mit ihrem Buch nun auf Lesereise gehen, mit Stars wie Oprah Winfrey und Sarah Jessica Parker, sie wird riesige Hallen füllen. Bis zu 3000 Dollar sollen die Tickets kosten. Und sie wird ihre Botschaft verbreitet bekommen: "Es ist wichtig, sich zu öffnen." Wichtig, um anderen Mädchen und Frauen Mut zu machen. "Unsere Geschichten verbinden uns."

brs

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insgesamt 41 Beiträge
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Seite 1
beathovenr66 13.11.2018
1. Spitzenfrau
Gerade in diesen düsteren Trumpzeiten trauert man der Obamapräsidentschaft nach. Michelle Obama bewies in jeder Minute dieser 8 Jahre, dass an dem Spruch "Hinter jedem erfolgreichen Mann steht eine starke Frau" durchaus etwas dran ist. Sie hielt sehr kluge Reden und wäre, nicht zu hoch gegriffen, auch eine Kandidatin für ein hohes Staatsamt. Sie hat die Absicht selbst Politik zu machen immer dementiert, doch hier wäre DIE Hoffnungsträgerin der Demokraten. Mehr Kontrast zu Trump geht nicht !
Poli Tische 13.11.2018
2. Michelle Obama tut den Amerikanern gut!
Ich habe selten ein modernes Land wie Amerika erlebt, dass so verklemmt mit dem Thema Sex und Politik umgeht. Es ist an der Zeit nicht nur für Aufklärung, sondern auch für eine Normalisierung dieser Themen. Bei Sexualität gibt es Hoffnung - bei Politik scheint es eher rückwärts zu gehen. Noch nie habe ich solche Angst vor politischer Auseinandersetzung in der Bevölkerung gesehen wie unter Trump.....
biesi61 13.11.2018
3. Eine beeindruckende Frau
mit dem präzisen Gespür, richtiges zu tun. Eine echte first Lady eben!
tulius-rex 13.11.2018
4. soviel Fröhlichkeit und Lebensbejahung
Einfach schön zu lesen, was das Leben bietet an Schönem, Lustigem und auch Problemen, die es zu bewältigen gilt. Endlich mal wieder eine positive Stimme in all der Verbiesterung und negativen Weltsicht eines Trump oder Putin. Starke Frauen brauchen die Länder der Welt an einflussreichen Positionen und nicht diese geldgeilen, machtversessenen männlichen Zerstörer, die ohne mit der Wimper zu zucken tausende Kinder verhungern oder ersaufen lassen.
josephkaesemacher 13.11.2018
5. Scheinheilig
Die Obamas waren 8 Jahren in Washington in Amt und Würden. Die ersten vier Jahre die Wirtschaft stabilisiert und wiedergewählt l. In der zweiten Amtsperiode haben sie das Land gespalten, die Eliten haben es geschafft, vor allem haben sie die reichen Liberalen in Kalifornien und New York alles aufs Tablett gelegt, jedoch viele Bundesstaaten mit Missachtung gestraft. Und dann den politischen größten Fehler begannen, die korrupte, ungeliebte Hillary Clinton zu unterstützen. Und nun eine Biographie, dass die nicht nachdenkenden Jünger wie verrückt kaufen, aber nur 10% gehen an wohltätige Organisation, Bei Eintrittsgeldern von bis zu 3000$. Scheinheilig Dame des Volkes. Das macht es sehr sehr einfach für Trump, denn seine Rally's sind meist kostenlos. Ich mag den Michelle, aber sie ist wie alle Politiker, hungrig nach Geld und Macht am Ende. Sie ist wie Trump in dieser Beziehung, egoman, jedoch nach wie sympathisch. Immer bitte mal hinterfragen, die Toskanafraktion hatten wir auch.
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