40 Jahre nach Ausbürgerung Milan Kundera erhält tschechische Staatsbürgerschaft

Mit "Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins" wurde Milan Kundera weltberühmt. Den Roman hatte er nach seiner Ausbürgerung im französischen Exil geschrieben. Nun hat er die tschechische Staatsbürgerschaft erhalten.

Milan Kundera: Der Schriftsteller wurde 1929 in Brünn geboren
DPA

Milan Kundera: Der Schriftsteller wurde 1929 in Brünn geboren


Der in Paris lebende Schriftsteller Milan Kundera hat 40 Jahre nach seiner Ausbürgerung durch die CSSR die tschechische Staatsbürgerschaft erlangt. Der Botschafter des Landes in Frankreich, Petr Drulak, sagte der Zeitung "Pravo", er habe Kundera die Urkunde am vergangenen Donnerstag überreicht. Kunderas "Gefühl der tschechischen Identität" sei sehr stark, sagte der Diplomat.

Die damalige sozialistische Tschechoslowakei (CSSR) hatte dem Schriftsteller nach der Veröffentlichung des Romans "Das Buch vom Lachen und Vergessen" 1979 die Staatsbürgerschaft entzogen. Kundera lebte da bereits mehrere Jahre im Pariser Exil. Seit 1981 hat der in Brünn (Brno) geborene Autor die französische Staatsbürgerschaft. Sein 1984 erschienener Roman "Die unerträgliche Leichtigkeit des Sein" machte ihn weltberühmt. Philipp Kaufman verfilmte den Stoff erfolgreich mit Daniel Day-Lewis und Juliette Binoche.

"Ich denke, dass Milan und (seine Ehefrau) Vera ihr Leben bilanzieren - was sie erreicht haben, in welchem Umfeld sie leben, wo sie Freunde haben", sagte Drulak dem Blatt. Die Idee, ihm die Staatsbürgerschaft zu verleihen, geht auf den tschechischen Ministerpräsidenten Andrej Babis zurück, der sich mit dem Schriftsteller vor einem Jahr in Paris getroffen hatte. Kundera war im April 90 Jahre alt geworden.

Vor mehr als zehn Jahren war der Schriftsteller verdächtigt worden, als Student 1950 einen Antikommunisten bei der Polizei angezeigt zu haben. Es konnte nie geklärt werden, ob Kundera die Anzeige tatsächlich selbst erstattet hatte. Er bestritt die Vorwürfe.

brs/dpa



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