Mitarbeiterbefragung bei RTL "Ein Klima der Einschüchterung und Angst"

Zu wenig Lohn, zu wenig Respekt, zu wenig Sicherheit: Eine Mitarbeiterbefragung unter Journalisten zeichnet nach SPIEGEL-Informationen  ein düsteres Bild von den Arbeitsbedingungen bei RTL und n-tv. RTL-Chefin Anke Schäferkordt will dagegen vom Unmut in ihrem Haus nichts wissen.
Mitarbeiterbefragung bei RTL: Die Journalisten senden kritische Signale

Mitarbeiterbefragung bei RTL: Die Journalisten senden kritische Signale

Foto: MARTIN MEISSNER/ ASSOCIATED PRESS

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Die Journalisten von und sind vielfach unzufrieden. Das ergibt sich nach Informationen des SPIEGEL aus einer Mitarbeiterbefragung des Bertelsmann-Konzerns, zu dem die RTL-Gruppe gehört. Dabei schnitt die RTL-Tochter infoNetwork, in der die Redaktionen von RTL und n-tv zusammengefasst sind, besonders schlecht ab.

Unzufrieden sind vor allem die Mitarbeiter des sogenannten Newspools, der die Sender mit Nachrichtenfilmen versorgt. Nur vier Prozent von ihnen gaben an, mit ihrer Vergütung zufrieden zu sein. Bei RTL-Deutschland insgesamt sind es immerhin 54 Prozent.

InfoNetwork-Geschäftsführer Michael Wulf sagte dem SPIEGEL, es gebe "noch kein einheitliches Gehaltsgefüge", da die Kollegen aus unterschiedlichen Firmen kämen, aber man sei dabei, das "anzugleichen".

In der Mitarbeiterumfrage mochte jeder vierte infoNetwork-Mitarbeiter nicht der Aussage zustimmen, dass er von seinem Vorgesetzten mit Respekt behandelt wird. "Bertelsmann erwartet hier einen positiven Wert von 90 Prozent. 80 Prozent gelten als untere Grenze des Akzeptablen", kommentierte der Betriebsrat in einem Rundschreiben.

Bei einer Betriebsversammlung am vergangenen Dienstag sprach der Betriebsratsvorsitzende gar von einem "Berufszweig im Niedergang". Während ein Journalist mit abgeschlossenem Hochschulstudium, Volontariat und mehrjähriger Berufserfahrung im Newspool mit einem Tagessatz von 130 Euro abgespeist werde, verdienten etwa Cutter bei RTL mehr als das Doppelte.

Auch sonst liegt offenbar einiges im Argen bei infoNetwork. Zwar schätzten in der Umfrage gute 71 Prozent die Aussichten des Unternehmens optimistisch ein. Den eigenen Arbeitsplatz halten jedoch nur knapp 38 Prozent für sicher. Tatsächlich hat nur jeder Zweite bei infoNetwork einen festen unbefristeten Vertrag. Rechnet man die Studenten mit ein, sind es sogar nur etwas über 40 Prozent.

RTL-Chefin Anke Schäferkordt sagte dem SPIEGEL, man habe auch bei infoNetwork "Strukturen verändern müssen". Dabei gebe es "neben verständlichen Unsicherheiten" auch immer "Einzelne, die sich mit notwendigen Veränderungen eher schwer tun". Ein "angeblich weit verbreiteter Unmut ist mir in meinen Gesprächen mit unseren Redaktionen nicht entgegengebracht worden."

Michael Klehm, der für den Deutschen Journalisten-Verband die RTL-Journalisten betreut, sagt dagegen: "Früher gab es bei RTL ein Family-Feeling. Heute herrscht ein Klima der Einschüchterung und Angst."

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