Moderatoren-Nebenjobs NDR will strenger prüfen

Lukrative Nebenjobs der Moderatorenstars? Nicht mit mir, sagt Lutz Marmor. Der NDR-Intendant will nach Informationen von SPIEGEL ONLINE strengere Regeln für prominente Sendergesichter wie "Tagesthemen"-Anchor Tom Buhrow.

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Die Debatte um lukrative Nebentätigkeiten von öffentlich-rechtlichen Journalisten soll bei den Sendern nicht ohne Konsequenzen bleiben. Nachdem ZDF-Intendant Markus Schächter erklärt hat, sein Haus werde die Regeln dazu strenger gestalten, zieht nun NDR-Intendant Lutz Marmor nach. Er will "mehr finanzielle Transparenz".

NDR-Intendant Marmor: Will "mehr finanzielle Transparenz"
DPA

NDR-Intendant Marmor: Will "mehr finanzielle Transparenz"

Es war das Medienmagazin "Zapp" des NDR, das die Debatte um Tom Buhrow, Claus Kleber, Petra Gerster und andere ins Rollen gebracht hatte. Und im NDR wurden auch die Nebentätigkeiten von "Tagesthemen"-Anchor Tom Buhrow genehmigt, die in der Kritik stehen.

Alles war genehmigt, alles liefe seinen ordentlichen Gang, so war bisher die offizielle Linie des Senders. Auf den Senderfluren hieß es allerdings, Intendant Lutz Marmor sei durchaus dafür, die Regeln für Nebentätigkeiten den veränderten Erwartungen der Öffentlichkeit anzupassen. Für Politik und Wirtschaft werde seit langem mehr Transparenz gefordert. Da könne sich der öffentlich-rechtliche Journalismus nicht verschließen.

Nun kündigt NDR-Intendant Lutz Marmor erstmals Konsequenzen an. "Der NDR wird sein Genehmigungsverfahren mit dem Ziel überprüfen, mehr finanzielle Transparenz bei Nebentätigkeiten seiner Mitarbeiter zu erreichen", sagte er SPIEGEL ONLINE. Doch die Debatte darüber möchte er nicht allzu öffentlich führen. "Die konkrete Umsetzung", so der Intendant, "diskutieren wir derzeit hausintern und mit unseren Gremien."

Bisher mussten NDR-Mitarbeiter ihre Nebentätigkeiten zwar genehmigen lassen - bei Tom Buhrow zeichneten der Chefredakteur ARD-aktuell, der NDR-Fernsehdirektor und der NDR-Justiziar die Anträge ab - allerdings waren nirgends Angaben über die Höhe des Honorars gefordert.

Mehr Transparenz, das war auch in einer Sitzung des NDR-Rundfunkrats gefordert worden, würde also heißen: Der Mitarbeiter muss offen legen, ob er für einen Auftritt, eine Rede oder eine Moderation 1000 Euro bekommt, oder - wie im Fall Buhrow laut "Zapp" geschehen - fünfstellige Beträge.

Vor Marmor hatte sich am Freitag bereits ZDF-Intendant Markus Schächter geäußert. Er sagte nach einer Sitzung des ZDF-Fernsehrates in Mainz: "Wir werden uns die Höhe der Honorare künftig genauer ansehen. Sie darf nicht zu einer Beeinträchtigung der journalistischen Arbeit führen."

Zudem lasse er prüfen, ob "eine offensive Vermarktung der Bildschirmpopularität, etwa durch eine Agentur, einen Ablehnungsgrund darstellen kann".



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