Modetrend in Mexiko Narco Ralph Lauren

Mexikanische Drogenbosse als Mode-Idole: Weil der Narco-Baron Edgar Valdez Villareal bei seiner Festnahme ein schickes Polohemd trug, gilt Ralph Laurens Poppermode bei der mexikanischen Jugend nun als Inbegriff des Gangsterlooks. Die Regierung versucht, auf verblasste Helden zu setzen.

Edgar Valdez Villarreal, genannt Barbie: Vorbild für die Jugend
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Edgar Valdez Villarreal, genannt Barbie: Vorbild für die Jugend


Hamburg/London/Mexiko-Stadt - Sie nennen ihn Barbie, seiner blonden Haare wegen. Doch zum Mode-Idol für Mexikos Jugend wurde Édgar Valdez Villarreal, weil er bei seiner Festnahme im August 2010 das richtige T-Shirt trug: Ein flaschengrünes Polohemd von Ralph Lauren mit der Aufschrift "London". Als vier Monate später Jose Jorge Balderas Garza unter der Anklage festgenommen wurde, den paraguayischen Fußball- Nationalspieler Salvador Cabañas in einem Nachtclub in Mexiko-Stadt in den Kopf geschossen zu haben, hatte der das gleiche Modell an - in blau.

Ein Trend war geboren: 2011 wurden sechs weitere mutmaßliche Mitglieder mexikanischer Drogenkartelle im gleichen Kleidungsstück gefasst. Das macht es der Polizei einfach, könnte man meinen - doch mittlerweile hat sich die Welle verselbständigt.

Wie die Londoner Tageszeitung "Guardian" meldet, ist Ralph Laurens "London"-Hemd zum gefragten Modeartikel unter mexikanischen Jugendlichen geworden. Weil das Original mit umgerechnet etwa 150 Euro zu teuer ist, macht eine Kopie das Rennen. Auf mexikanischen Märkten ist die Fälschung für etwa ein Zehntel des Ladenpreises zu haben.

"Die Jugendlichen wollen wie Bösewichter aussehen", kommentiert eine Händlerin in Mexiko-Stadt das Geschehen. Ein Psychologe der Hauptstadtuniversität meint: "Die Jugend hat den Glauben an einen sozialen Aufstieg im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten verloren. Für sie sind die Narcos Respektspersonen."

Mario López Valdez, dem Gouverneur des nicht zuletzt durch Don Winslows Bestseller "Tage der Toten" international als Hochburg der Drogenbarone in Verruf geratenen mexikanischen Bundesstaats Sinaloa bleibt da nur der Ruf nach verblassten Idolen: "Sie haben die falschen Vorbilder." Ihm wäre es lieber, die Jugend trüge Hemden mit einem Porträt des Revolutionshelden Emiliano Zapata.

sha



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Skandalos, 30.07.2010
1.
Zitat von sysopGrausige Morde, blutige Kämpfe: In Mexiko eskaliert der Drogenkrieg. Tausende Soldaten haben die Grenzregion zu den USA nicht befrieden können. Politiker, Unternehmer, Polizei - viele sind in die Geschäfte der mächtigen Dealer verstrickt. Wie kann das Land der Rauschgiftmafia entkommen?
Durch die Legalisierung von Drogen in den USA. Dort gibts ja eine aktuelle Initiative, die sich großer Unterstützung quer durch alle Parteien erfreut. Prohibition funktioniert einfach nicht.
karmamarga 30.07.2010
2. Wie entkommen?
Zitat von sysopGrausige Morde, blutige Kämpfe: In Mexiko eskaliert der Drogenkrieg. Tausende Soldaten haben die Grenzregion zu den USA nicht befrieden können. Politiker, Unternehmer, Polizei - viele sind in die Geschäfte der mächtigen Dealer verstrickt. Wie kann das Land der Rauschgiftmafia entkommen?
Den Shabab-Milizen das Land schenken. Dann weiss jeder im Land mit wem oder was er es zu tun hat. So wie jetzt geht die Sache endlos weiter.
Ohli 30.07.2010
3. Keine Macht der Drogenmafia
Zitat von sysopGrausige Morde, blutige Kämpfe: In Mexiko eskaliert der Drogenkrieg. Tausende Soldaten haben die Grenzregion zu den USA nicht befrieden können. Politiker, Unternehmer, Polizei - viele sind in die Geschäfte der mächtigen Dealer verstrickt. Wie kann das Land der Rauschgiftmafia entkommen?
Die Abteilung der UN, die sich des Themas Drogen angenommen hat, gibt auf ihren jählich stattfindenden Konferenzen in Wien seit 2 Jahren bekannt, das der "War on Drugs", der hauptsächlich in den 80er Jahren von Ronald Reagan proklamiert wurde, verloren ist. Jahrzehnte in denen Milliarden für die Strafverfolgung ausgegeben wurden, umsonst. Der weltweite illegale Drogenanbau hat sich erhöht, die Verkaufszahlen und der Umsatz haben sich erhöht (geschätzte 500 Milliarden US-Dollar wurden im vergangenen Jahr weltweit mit illegalen Drogen umgesetzt). Weiter so wie bisher, bedeutet weitere Profite für die organisierte Kriminalität, weiter Korruption, weiter mit dem Elend und Leid. Eine drogenfreie Gesellschaft ist eine Illusion, sagte einmal der Drogenbeauftragte der Regierung Kohl, Eduard Lintner. Das Ziel muss eine staatlich regulierte Vergabe aller zur Zeit illegalen Drogen sein. Wie eine erfolgreiche Drogenpolitik aussehen kann, zeigt der "Frankfurter Weg" und deren Projekt mit der Heroinvergabe an schwerstabhängige. Regulierung statt Repression, Akzeptanz und Toleranz, statt Stigmatisierung und Strafverfolgung von Konsumenten. Es wäre auf jeden Fall eimal wünschenswert, wenn man sich sachlich und pragmatisch mit dem Thema Drogen auseinandersetzen würde, statt wie bisher polemisch und emotional. Einen schönen Tag noch, wünscht Ohli
Roller, 30.07.2010
4.
Zitat von sysopGrausige Morde, blutige Kämpfe: In Mexiko eskaliert der Drogenkrieg. Tausende Soldaten haben die Grenzregion zu den USA nicht befrieden können. Politiker, Unternehmer, Polizei - viele sind in die Geschäfte der mächtigen Dealer verstrickt. Wie kann das Land der Rauschgiftmafia entkommen?
Ganz einfach: die Legalisierung aller Drogen.
obi wan 30.07.2010
5. Gegen jede Art von Titeln und Orden!!!!
Keine Ahnung wie Mexiko entkommen kann. Ich kann nur sagen: Sicher nicht durch so politisch vielleicht korrekte aber vollkommen nutzlose Konzepte wie Rauschgift legalisieren, Dialog suchen u.ä. Mal sehen wann hier die Ersten hier auftauchenk, die so etwas als alleiniges Allheilmittel ernsthaft verkaufen wollen.
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