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Möbelmesse Köln: Versuch's mal mit Gemütlichkeit

Foto: Koelnmesse

Internationale Möbelmesse Der Empfang des Hinterns in Stehhöhe

Eine Dusche in Kobra-Form. Ein Kissenbergbett. Natürliche Materialien und erdige Farben. Auf der Internationalen Möbelmesse in Köln dominiert eine luxuriöse Gestrigkeit das Design. Und: Endlich ist die Gemütlichkeit wieder da.

"Was hab' ich dir gesagt?", sagt meine Frau und zeigt auf das Bett, vor dem sie steht. Groß ist das Ding und vor allem hoch, mit einer monströsen Matratze und einem fluffigen Schoner belegt. "Ich wollte schon vor Jahren sowas haben, aber du wolltest ja nicht!"

Stimmt, und jetzt ist es Trend. Laut Verband der Deutschen Möbelindustrie sah im letzten Jahr schon jedes dritte verkaufte Bett so aus: Ein Kissenberg mit steilen, aber weichen Höhen, in denen man versinken kann und soll. Es empfängt den Hintern quasi in Stehhöhe, man muss sich nur noch fallen lassen. Keine Mühe mehr mit Aus- und Einstieg. Das Boxmatratzenbett ist quasi der SUV unter den Schlafstätten.

Man sieht also: Ganz ähnlich wie bei Kleidung gibt es auch bei Möbeln Moden. Was aktuell angesagt ist, kann man sich an den Publikumstagen der Internationalen Möbelmesse in Köln  ansehen.

Aber kann man den Stuhl oder Tisch, das Sofa oder Bett überhaupt jedes Jahr neu erfinden? "Natürlich nicht", sagt darauf einer, der mir gerade noch erklären wollte, warum sein neuer Stapelstuhl anders ist als alle seine Vorgänger. "Aber trotzdem hat jede Zeit ihre Möbel. Man sieht doch, dass bestimmte Sachen typisch sind für das aktuelle Möbeldesign."

Trends 2014: Dick. Individuell. Gemütlich

Sieht man das? In elf Hallen zeigen über 1000 Aussteller eine kaum zu verarbeitende Vielfalt. Neben viel Praktischem und Pragmatischem auch reiner Luxus und gewagte Designmöbel, die hart an der Grenze der Nutzbarkeit stehen. Möbel aus allen möglichen Materialien von Metall und Marmor bis zu recycelten Transportkisten mit entsprechenden Aufdrucken. Billiges und Unerschwingliches.

Die Tapete - man glaubt es kaum - soll ein Revival erfahren, mit irren Designs und eingearbeiteten Materialien aller Art. Man sieht Sessel und Sofas in Stoff, Stepp, Leder, silbernem Kunststoff oder Baumrinde. Es gibt preisgekrönte Lampen mit kühlem Charme und leuchtende Lampen-Bälle, die ein Daunenkleid tragen, das leise in der Zugluft weht. Wuchtig beeindrucken steinerne Küchenarbeitsplatten von Grabsteindicke und Echtholztische, bei denen man sich fragt, auf welchem Planeten denn solche Bäume wachsen.

Vor allem aber gibt es einen Zeitgeist, dem man wirklich überall begegnet: Nach Jahren der Sachlichkeit und des kühlen Designs ist zurzeit kaum etwas so angesagt wie "Gemütlichkeit".

"Retro" sagt keiner laut, denkt aber wohl jeder

In der gediegenen Ecke sind es natürliche Materialien und erdige Farben, die Heimeligkeit schaffen sollen. Bei den jungen Möbeln machen auffällig viele Designer Anleihen in vergangenen Zeiten. Die Formensprache orientiert sich klar an den späten fünfziger bis frühen siebziger Jahren. Vieles erinnert an die Einrichtung bei den Großeltern, als die noch jung waren. Nur eben alles ein wenig edler und verspielter, oft hart an der Kitschgrenze - eine Art Hipster-Barock: üppig und viel, dick und weich.

Hier und da sieht man noch Silber und Schwarz und kühle, klare Formen - besonders im Pomp-Küchen-Segment. Vor allem dominiert aber eine quietschbunte und facettenreiche Gestrigkeit, die munter Einflüsse etlicher Jahrzehnte mischt. "Retro" sagt keiner laut, denkt aber wohl jeder.

Das Beste daran: Die uniformierte Sitzgruppe und die modulare Schrankwand haben ausgedient. Material- und Designmix ist Trend, natürlich fein aufeinander abgestimmt, aber die zeitgeistige Wohnung ist vorzugsweise mit kontrastierenden Einzelstücken möbliert.

Das passt ja auch prächtig zum Etat: Rund 400 Euro, sagt der Branchenverband, geben wir Deutschen im Jahr für Möbel aus. Das reicht für eine Evolution, aber für keine Revolution im Wohnraum. Denn für die wahren Einrichtungsabenteuer muss man tief in die Tasche greifen.

Ein tebartzscher Traum

Aus vier Natursteinblöcken und einer Platte hat etwa die Firma Juma eine Dusch- und Wannengruppe gefertigt, die zu den meistfotografierten Möbeln der diesjährigen Internationalen Möbelmesse zählt: Steinmetze haben eine Wanne mit natürlich beheiztem Sitz aus dem Stein gefräst. Über dem Kopf des Badenden schwingt sich elegant ein breiter Hals empor, der mit seinem Kopf, inklusive Dusche, an eine riesige Kobra erinnert.

Zwei Wochen dauere es, erklärt dazu Juma-Vertreter Klaus Ablaßmeier, so eine rund zweieinhalb Meter hohe Bad- und Duschgruppe nach Maß des Kunden zu fertigen. Das sei nichts für jedermann, "vielleicht eher für ein Luxushotel oder eine neu gebaute Villa", vermutet er. Die Firma wäre zufrieden, wenn sie weltweit 20 solcher Stücke verkaufen kann - für je 50.000 Euro.

Wahrscheinlich baut man das passende Bad drumherum, denn selbst die Baustatik muss Mindestvoraussetzungen erfüllen: "Das Ding wiegt schließlich eineinhalb Tonnen."


Internationale Möbelmesse IMM
Ort: Messe Köln Deutz. Publikumstage: Freitag und Samstag (9 bis 18 Uhr) sowie Sonntag (9 bis 17 Uhr). Eintritt: 20 Euro, Familie bis vier Pers.: 35 Euro, Studenten 10 Euro