München Angefeindeter Theaterchef Matthias Lilienthal kapituliert

Matthias Lilienthal, der umstrittene Intendant der Münchner Kammerspiele, will seinen laufenden Vertrag nicht verlängern. Hintergrund ist offenbar die ablehnende Haltung der CSU.
Matthias Lilienthal

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Foto: DPA

Er ist Chef der Münchner Kammerspiele und wie Chris Dercon, der Intendant der Berliner Volksbühne, ein extrem umstrittener Theaterleiter: Matthias Lilienthal versucht seit seinem Amtsantritt in München im Jahr 2015, das renommierte Theaterhaus zu einer Experimentierbühne umzubauen. Dafür bekam er von überregionalen Kritikern viel Zuspruch und gerade erst wieder zwei Einladungen zum Berliner Theatertreffen, aber kaum Sympathiebekundungen von der Münchner Lokalpresse und vom Münchner Publikum. Mit zuletzt rund 63 Prozent Auslastung und offenbar eher wenigen Abonnenten ist Lilienthals Theater keineswegs gut besucht.

Am Montagabend hat Lilienthal nun bekannt gegeben, dass er die Münchner Kammerspiele zum Ende seiner Vertragslaufzeit im Sommer 2020 verlassen wird. "In München ist kein Rückhalt für die Verlängerung meiner Arbeit gewährleistet, nachdem die CSU-Fraktion einen Beschluss gegen eine Vertragsverlängerung gefasst hat," verkündete der Intendant.

Tatsächlich hatte sich die Stadtratsfraktion der CSU offenbar bereits vor zwei Wochen gegen eine weitere Beschäftigung Lilienthals ausgesprochen, wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtet; ohne die Zustimmung der CSU-Stadträte war eine Mehrheit im Stadtrat für ein weiteres Kammerspiele-Engagement höchst unwahrscheinlich.

Lilienthal hatte in den Neunzigerjahren als Chefdramaturg die große Zeit der Berliner Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz unter dem Intendanten Frank Castorf mitgeprägt und mit Regisseuren wie Christoph Marthaler und Christoph Schlingensief gearbeitet. Er war mehrmals Programmdirektor des an diversen Orten ausgerichteten Festivals "Theater der Welt" und von 2003 bis 2012 Chef des HAU (Hebbel am Ufer) in Berlin.

In München hatte er unter anderem mit Arbeiten der Regisseurin Anne-Sophie Mahler ("Mittelreich") und des Regisseurs Christopher Rüping ("Trommeln in der Nacht") große Erfolge, wurde aber von Teilen des lokalen Kulturbürgertums heftig angefeindet.

Über Lilienthals Pläne nach 2020 ist nichts bekannt. In seinem Kapitulations-Statement vom Montagabend heißt es: "Ich freue mich auf die nächsten zwei Spielzeiten mit den Münchner Kammerspielen."

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