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07. November 2013, 15:47 Uhr

Nach internationaler Kritik

Bundesregierung fordert rasche Klärung bei Kunstfund

Nachdem die US-Regierung mehr Transparenz bei der Aufklärung der Sammlung Gurlitt angemahnt hat, zeigt sich jetzt auch die Bundesregierung forscher. Bilder ungeklärter Herkunft sollten schnell veröffentlicht werden, heißt es aus dem Haus des Kulturstaatsministers.

Berlin - Die internationale Kritik am Vorgehen deutscher Behörden in Zusammenhang mit dem spektakulären Münchner Kunstfund zeigt Folgen: Jetzt dringt auch die Bundesregierung auf eine möglichst rasche Aufklärung, wer die rechtmäßigen Besitzer der rund 1400 Kunstwerke sind. Das Haus von Kulturstaatsminister Bernd Neumann steht eigenen Angaben zufolge mit der bayerischen Staatsregierung in Verhandlungen, um Möglichkeiten zu einer Beschleunigung der Recherchearbeit auszuloten.

Ein CSU-Sprecher erklärte am Donnerstag: "Das bayerische Justizministerium strebt zeitnah eine Übereinkunft und ein Prozedere zwischen der Staatsanwaltschaft Augsburg und dem Haus von Kulturstaatsminister Neumann an, wie - ohne die strafrechtlichen Ermittlungen zu gefährden - die betroffenen zivilrechtlichen, öffentlich-rechtlichen und kulturhistorischen Interessen berücksichtigt und in Einklang gebracht werden können".

Kunstexperten sowie Vertreter von Opferverbänden und Museen aus aller Welt hatten in den vergangenen Tagen die sofortige Veröffentlichung der Werkliste im Internet gefordert. Auch die US-Regierung verlangte mehr Transparenz. Deutschland müsse dafür sorgen, dass die Bilder an ihren rechtmäßigen Eigentümer gehen, zitierte das "Wall Street Journal" einen nicht näher bezeichneten Mitarbeiter des Außenministeriums in Washington.

Neumanns Sprecher Hagen Philipp Wolf sagte: "Wir setzen uns nachdrücklich dafür ein, dass Bilder veröffentlicht werden, sobald es belastbare Indizien für eine unklare Herkunft des jeweiligen Werks gibt." Dies solle unabhängig vom laufenden Strafverfahren gegen den Kunsthändlersohn Cornelius Gurlitt, 79, erfolgen.

Straffreiheit für Gurlitt?

In dessen Münchner Wohnung hatten Ermittler rund 1400 meist verschollen geglaubte Kunstwerke beschlagnahmt. Sie gehören womöglich größtenteils zu der von den Nazis verfemten "Entarteten Kunst" oder wurden verfolgten Juden geraubt. Bisher hat es die zuständige Augsburger Staatsanwaltschaft trotz internationalen Drucks abgelehnt, die Werke zu veröffentlichen.

Die Herkunft des Kunstschatzes muss nach Ansicht von Unionsfraktionsvize Michael Kretschmer mit allem Nachdruck aufgeklärt werden. Man müsse schnellstmöglich herausfinden, wo die Werke herkämen und wer der rechtmäßige Eigentümer sei, sagte der Vorsitzende der Koalitions-Arbeitsgruppe Kultur. "Erst dann können wir sehen, ob Gesetze angepasst werden müssen. Aber das wird sehr, sehr schwer." Die Arbeitsgruppe wird sich seinen Angaben zufolge nicht unmittelbar mit dem Thema beschäftigen.

Der Berliner Rechtsanwalt und Kunstexperte Peter Raue schlug einen Deal mit Gurlitt vor. "Er überlässt die Werke dem Staat und geht dafür straffrei aus. Das würde die Rückgabe an berechtigte jüdische Familien oder Museen erheblich vereinfachen", sagte Raue dem Berliner "Tagesspiegel". "Wer die Herkunft von über 1400 Bildern selber recherchieren will, braucht bei optimistisch geschätzten zehn Tagen pro Werk 40 Jahre."

hpi/dpa

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