Nazi-Raubkunst Köln gibt weitere Werke an Flechtheim-Erben zurück

Nach langem Streit haben sich die Stadt Köln und die Erben des  Kunsthändlers Alfred Flechtheim geeinigt: Das Museum Ludwig gibt weitere sechs Werke an die Erbengemeinschaft zurück. Die Zeichnungen bleiben dem Museum trotzdem erhalten.

VG Bild-Kunst, Bonn 2013/ Foto: Rheinisches Bildarchiv, Köln/ Sabrina Walz

Köln/Hamburg - Der Eigentümer wechselt, die Bilder können bleiben. Die Stadt Köln hat sich mit den Erben des Galeristen Alfred Flechtheim (1878-1937) über die Rückgabe einiger Kunstwerke aus dem Museum Ludwig geeinigt. Sechs Zeichnungen von Karl Hofer, Paula Modersohn-Becker, Ernst Barlach, Aristide Maillol und Wilhelm Morgner aus dem ehemaligen Besitz Flechtheims, der von den Nazis wegen seines jüdischen Glaubens verfolgt worden war, werden an die Erben zurückgegeben. Sie bleiben aber als Dauerleihgabe dem Museum erhalten. Das teilte die Stadt am Mittwoch mit.

Bereits im Juni hatte die Stadt nach einem jahrelangen Restitutionsstreit ein auf bis zu drei Millionen Euro geschätztes Bild des österreichischen Malers Oskar Kokoschka, das Gemälde "Portrait Tilla Durieux", an die Erben zurückgegeben. Der Kokoschka wurde aus dem Museum Ludwig entfernt, wo er seit Gründung in den siebziger Jahren zur Dauerausstellung gehörte.

Die Flechtheim-Erben fordern die Herausgabe von insgesamt rund 30 weiteren Bildern, die sich im Besitz weiterer Institutionen befinden.

Auch in einem anderen Fall einigte man sich: Fünf Zeichnungen aus der Sammlung des jüdischen Kunsthistorikers und Museumsdirektors Curt Glaser (1879-1943) verbleiben im Museum Ludwig. Die Erben Glasers erhielten eine "angemessene Entschädigung", hieß es. Die Erben hätten dem Wunsch des Museums auf den Verbleib der Arbeiten unter anderem von Ernst Ludwig Kirchner und Erich Heckel in der Sammlung entsprochen.

Erbe ist tief berührt

Einer der Erben Flechtheims, Michael Hulton, begrüßte in einer ersten Stellungnahme die Haltung und der Einsatz auf Kölner Seite. "Jetzt auch wegen der Zeichnungen schnellstmöglich die einzig richtige Entscheidung - Rückgabe - zu treffen, hat uns sehr bewegt und beeindruckt, und hat uns letztlich auch dazu bewogen, diese für das Museum so wichtigen Arbeiten dort zu belassen".

Er sei ebenfalls tief davon berührt, dass man die Arbeiten "jetzt auch - zumindest für eine gewisse Zeit - dem Publikum zugänglich macht und dabei auf das Schicksal unserer Familie hinweist." Die elf Zeichnungen sind ab sofort bis April in einer Sonderausstellung im Museum Ludwig zu sehen.

Die Anwälte der Flechtheim-Erben hoffen nun, dass andere Einrichtungen in Deutschland dem Beispiel folgen und forderten Museen mit vermeintlicher NS-Raubkunst auf, gemeinsam mit den Flechtheim-Erben eine Lösung zu finden oder sich wenigstens an die zuständige Limbach-Kommission zu wenden.

seh/dpa



insgesamt 7 Beiträge
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my_lay 18.12.2013
1. Nofretete
Zitat von sysopDPANach langem Streit haben sich die Stadt Köln und die Erben des jüdischen Kunsthändlers Alfred Flechtheim geeinigt: Das Museum Ludwig gibt weitere sechs Werke an die Erbengemeinschaft zurück. Die Zeichnungen bleiben dem Museum trotzdem erhalten. http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/museum-ludwig-in-koeln-gibt-weitere-werke-an-flechtheim-erben-zurueck-a-939835.html
Was ist mit der Nofretete, geben wir die auch zureuck? Hoffentlich.
klassiker1 18.12.2013
2. Richtige Richtung
Mit der Rückgabe der Bilder an die Erben von Alfred Flechtheim und dem gleichzeitigen Verbleib im Museum ist eine vorbildliche Lösung gefunden worden, wie ich finde. Vielleicht könnten ja auch einige Werke aus dem Besitz von Cornelius Gurlitt - so ihre Provenienz denn eindeutig geklärt ist - einen Platz in einem Museum, auf das sich G. und die Erben der ursprünglichen Besitzer einigen, finden. Wenn Gurlitt denn zustimmt. Das wäre dann mehr als ein Schritt in die richtige Richtung.
Dr.Fuzzi 18.12.2013
3. Och Joh!
Zitat von my_layWas ist mit der Nofretete, geben wir die auch zureuck? Hoffentlich.
Wieso? Meines Wissens wurde diese seinerzeit (1913) völlig legal im Rahmen der seinerzeit geltenden Fundteilung und mit Genehmigung der ägyptischen Altertümerverwaltung nach Deutschland gebracht. Was soll eigentlich die permanente Gutmenschendenke, nach der so gerne seinerzeit geltendes Recht heute nach eigenem Gusto umgebogen werden soll?
gantenbein3 18.12.2013
4. Hat eigentlich...
...mal jemand geprüft, ob die Leute, die da jetzt mit Restitutionsansprüchen hervortreten, in der Nachkriegszeit für ihren Verlust entschädigt wurden und ob sie in diesem Zusammenhang auf Rückgabeansprüche verzichtet haben? Oder spielt das jetzt keine Rolle mehr?
pishtakko 18.12.2013
5. lobenswert
Zitat von sysopDPANach langem Streit haben sich die Stadt Köln und die Erben des jüdischen Kunsthändlers Alfred Flechtheim geeinigt: Das Museum Ludwig gibt weitere sechs Werke an die Erbengemeinschaft zurück. Die Zeichnungen bleiben dem Museum trotzdem erhalten. http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/museum-ludwig-in-koeln-gibt-weitere-werke-an-flechtheim-erben-zurueck-a-939835.html
was ist eigentlich mit der (Erbschafts) Steuer?
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