Museumsinsel Weiss wehrt sich gegen Vorwurf der Steuerverschwendung

Die Kulturstaatsministerin Christina Weiss und die Stiftung Preußischer Kulturbesitz haben sich gegen den Vorwurf des Bundesrechnungshofs gewehrt, beim Ausbau der Museumsinsel in Berlin würden 130 Millionen Euro Steuergelder verschwendet. Die Zahl sei "nachweisbar falsch".


Berliner Museumsinsel: In Konkurrenz mit Paris und New York
DPA

Berliner Museumsinsel: In Konkurrenz mit Paris und New York

Berlin - Der Bundesrechnungshof hatte in seinem am Mittwoch vorgelegten Jahresbericht kritisiert, dass die Sanierungskosten der zum Weltkulturerbe gehörenden Bauten auf der Museumsinsel durch Ergänzungsbauten unnötig um rund 130 Millionen Euro in die Höhe getrieben würden. Diese Behauptung sei "nachweisbar falsch", sagte Klaus-Dieter Lehmann, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz am Mittwoch. Staatsministerin Weiss (parteilos) warf den Rechnungsprüfern vor, "weit über das Ziel" geschossen zu sein, da die Sanierung "im Rahmen der abgestimmten Kostenpläne" verlaufe.

Weiss und Lehmann wiesen darauf hin, dass über die seit 1999 vorgesehenen Ergänzungsbauten endgültig erst 2010 nach Sanierung aller fünf Museen der Insel entschieden werde. Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz befürchtet unterdessen, dass der durch die Vorwürfe ausgelöste Imageverlust eine für Dezember geplante Kampagne mit Fernsehspots gefährdet, in denen die Stiftung nach dem Vorbild der Dresdner Frauenkirche zu Spenden für die Museumsinsel aufrufen wollte.

In ihrem Jahresbericht hatten die Rechnungsprüfer gerügt, dass sich die Stiftung nicht darauf beschränke, die historischen Bauwerke wieder herzurichten. Vielmehr seien unnötigerweise auch ein neues Eingangsgebäude, ein unterirdischer Gang als Verbindung zwischen Gebäuden sowie eine Absenkung des Kellerfußbodens im Pergamonmuseum geplant.

Lehmann und Weiss verteidigten vor allem das geplante Eingangsgebäude als unverzichtbar, wenn Berlin nicht hinter anderen Metropolen zurückstehen wolle. Die "Schatzkammer" Museumsinsel konkurriere nicht mit Bonn, sondern mit Kunstzentren wie Paris oder New York, sagte Lehmann. Ein neues Eingangsgebäude sei nötig, um die künftig rund vier Millionen Besucher jährlich angemessen zu empfangen. Die bisherige Infrastruktur aus Museumsshops, Sanitäranlagen, Bistros und Restaurants sei mangelhaft und löse viele Beschwerden aus. Wer die Neuordnung der wachsenden Besucherströme in Frage stelle, verwehre den Museen den Weg ins 21. Jahrhundert, sagte Weiss.

Das Budget der Stiftung Preußischer Kulturbesitz von jährlich rund 100 Millionen Euro wird nach dem Rückzug des Landes Berlin im Vorjahr allein vom Bund getragen. Auf der von der Stiftung unterhaltenen Museumsinsel befinden sich das Alte Museum, das Pergamonmuseum, die Alte Nationalgalerie, das Bodemuseum sowie das Neue Museum.



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