Museumsstreit Korn fordert Aus für Flick-Collection

Mit einem offenen Brief an Salomon Korn versuchte Christian Friedrich Flick seine umstrittene Ausstellung in Berlin zu rechtfertigen - ohne Erfolg. Der Zentralratsvorsitzende der Juden verlangt nun sogar das komplette Aus für die "Flick-Collection". An der Sammlung klebe "Blutgeld" aus der Nazizeit.


 Zentralratsvize Korn: "Widerspiegeln, aber nicht aufhellen"
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Zentralratsvize Korn: "Widerspiegeln, aber nicht aufhellen"

Salomon Korn, Vizepräsident des Zentralrates der Juden in Deutschland, hat den Mäzen und Millionenerben Friedrich Christian Flick zum Verzicht auf die Ausstellung seiner Kunstsammlung in Berlin aufgefordert. Flicks Leihgabe an das Museum für Gegenwart - Hamburger Bahnhof könne die Verbrechen seines Großvaters, des Rüstungsindustriellen Friedrich Flick, in der NS-Zeit "vielleicht zeitweise überstrahlen, aber niemals mildern", erklärte der Zentralratsvize in einem offenen Brief an Flick am Montag.

An der Sammlung klebe das "Blutgeld" der Ausbeutung von Zwangsarbeitern und der "Arisierungs"-Verbrechen Friedrich Flicks (1883-1972), erklärte Korn. "Der dunklen Seite Ihrer Familiengeschichte werden Sie durch die Ausstellung Ihrer Kunstsammlung in der deutschen Hauptstadt allenfalls vordergründig eine helle hinzufügen können." Korn warf Flick zudem vor, eine Beteiligung am Zwangsarbeiterfonds der deutschen Industrie abgelehnt zu haben.

Flick, 59, hatte am Wochenende in einem offenen Brief an Korn sein Engagement für die Leihgabe tausender Werke der Moderne sowie für seine Stiftung gegen Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Intoleranz verteidigt. Flick-Firmen hätten in den Fonds einbezahlt; ein persönlicher Beitrag von ihm hätte die Zahlungen anderer Konzerne um diese Summe gemindert. Deshalb habe er es vorgezogen, die Stiftung zu gründen. Es gehe nicht darum, die die Verbrechen seines Großvaters zu relativieren, die Enkel seien aber nicht mehr für die Verbrechen der Großväter schuldig.

Korn betonte hingegen, die Zwangs- und Sklavenarbeiter Friedrich Flicks hätten wesentlich zum Reichtum seines Enkels beigetragen. "Ihre 'Flick-Collection' stammt mittelbar aus jenen Quellen, aus denen ursprünglich das Blutgeld ihres Großvaters sprudelte", so der Zentralratsvorsitzende. Als Erbe habe Flick 25 Jahre Zeit gehabt, die Opfer seines Großvaters - und sei es auch nur symbolisch - zu entschädigen. Der "schöne Schein der Kunstsammlung" werde die "die dunklen Seiten der Flick-Dynastie widerspiegeln, nicht aber aufhellen - auch wenn in Berlin sich einige bereits davon blenden lassen", schrieb Korn.

Die Ausstellung der "Flick Collection" soll am 22. oder 23. September in Berlin eröffnet werden. 7,5 Millionen Euro hat Flick in den Umbau der Rieck-Halle am Hamburger Bahnhof investiert. Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz, an der Bund und Länder beteiligt sind, finanziert die groß angelegte Schau. In Zürich, Flicks Wohnsitz, hatte die Ausstellung zu großen Protesten und schließlich zum Scheitern des Projektes geführt. Auch andere Städte hatten die Leihgabe abgelehnt.



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