Musical-Spektakel am Broadway Spider-Man hängt fest

Der Comic-Held Spider-Man soll sich ab Januar durch ein Broadway-Theater hangeln - in einer Musical-Version, zu der Bono und The Edge von U2 die Musik geschrieben haben. Doch eine Vorpremiere zeigte nun, dass noch viel zu tun ist: Besonders die teure Bühnentechnik machte Ärger.

Werbung für Spider-Man-Musical am Foxwoods Theater: "Sind wir Versuchskaninchen?"
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Werbung für Spider-Man-Musical am Foxwoods Theater: "Sind wir Versuchskaninchen?"


New York/Hamburg - Es wird das teuerste Theaterspektakel sein, das jemals am Broadway veranstaltet wurde - doch nach einer ersten Vorpremiere verließen die 1900 Zuschauer das Foxwoods Theater in New York sehr verunsichert darüber, ob es den Machern noch gelingen wird, die Musical-Adaption von "Spider-Man" rechtzeitig zum offiziellen Start am 11. Januar 2011 in Gang zu bringen. Anders als bei den ausgesprochen erfolgreichen Verfilmungen der Abenteuer des Comic-Helden scheint die Umsetzung in die Theater-Realität schwierig zu sein.

Insgesamt fünf Mal musste die Vorführung unterbrochen werden - meist wegen technischer Probleme bei den 27 aufwendigen Flugszenen, die mitverantwortlich sind für ein geschätztes Budget von 65 Millionen Dollar. In einer Szene sollte Spider-Man von einem Seil von der Bühne in einen Oberrang gezogen werden, blieb aber über dem Publikum hängen. 45 Sekunden lang bemühten sich Bühnenhelfer, den Fuß des Superhelden zu erreichen, berichtet die "New York Times": "Das Publikum lachte und rief 'Ooh'".

Die Zuschauer, die dem Zeitungsbericht zufolge oft 140 Dollar und mehr für die Karten gezahlt hatten, saßen wegen der zahlreichen Pausen insgesamt dreieinhalb Stunden im Saal, so der Reporter der "New York Post" - eine Frau rief demnach: "Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich fühle mich wie ein Versuchskaninchen." Die "New York Times" verzeichnet allerdings auch "beglücktes Quieken" bei den (funktionierenden) Flugszenen - "von Kindern und manchen Erwachsenen."

Vor neun Jahren bereits erklärten sich die Musiker Bono und The Edge von U2 bereit, die Musik für das Musical "Spider-Man: Turn Off The Dark" zu schreiben. Die Regie bei dem Spektakel führt Julie Taymor, die für das von Elton John geschriebene Musical "The Lion King" 1997 den Tony Award bekam. Produziert wird die "Spider-Man"-Adaption von Michael Cohl, der sich als Torneeveranstalter für Rockbands wie die Rolling Stones oder U2 einen Namen machte. Cohl hatte die Besucher der Vorpremiere in einer kurzen Ansprache vorgewarnt, dass es zu Unterbrechungen kommen könne. Entsprechend gab sich der Produzent gegenüber dem Magazin "Entertainment Weekly" gelassen: "Es lief besser, als ich erwartet hätte."

Große Broadway-Musicalproduktionen haben ihre Testläufe üblicherweise außerhalb der Stadt - doch im Falle von "Spider-Man" wäre es zu teuer gewesen, den ganzen Bühnenaufbau auszulagern. So fand die Vorpremiere im Foxwoods Theater statt - allerdings zwei Monate später als geplant, nachdem sich bei Proben im Herbst zwei Stuntmen verletzt hatten. Normalerweise gibt es ein Gentlemen's Agreement, dass über solche Veranstaltungen nicht berichtet werden soll - doch wegen der großen Aufmerksamkeit für die Produktion hielten sich die New Yorker Zeitungen diesmal nicht daran und ließen ihre Kritiker schreiben. Die zweite Vorpremiere ist für Mittwoch geplant.

Entsprechend wertet die Website des "New York Magazine" die Vorpremiere als Erfolg. Die Überschrift ihres Artikels: "No One Killed at First Spider-Man Preview" - wenigstens ist niemand ums Leben gekommen.

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