Nach heftiger Kritik ARD und ZDF wollen eigenes Kanzlerduell

Keine gemeinsame Sache mehr mit den Privatsendern: ARD und ZDF wollen nach dem umstrittenen TV-Duell in Zukunft eine rein öffentlich-rechtliche Runde. Das dürfte auch am Auftritt eines Moderators liegen.

TV-Duell 2017: Angela Merkel und Martin Schulz mit den vier Moderatoren
DPA/ RTL

TV-Duell 2017: Angela Merkel und Martin Schulz mit den vier Moderatoren


Bei der Bundestagswahl in vier Jahren wollen die ARD-Intendanten kein TV-Duell mehr zusammen mit den Privatsendern veranstalten. Wie ein Sprecher am Donnerstag bekräftigte, sei aus Sicht der ARD die Variante des TV-Duells mit zwei Kandidaten, vier Sendern und vier Moderatoren unbefriedigend. Wünschenswert sei zudem "ein rein öffentlich-rechtliches TV-Duell". Einen offiziellen Beschluss der Intendanten dazu gebe es jedoch nicht.

Wie die "Rheinische Post" am Donnerstag berichtet, haben sich die Intendanten bei der ARD-Hauptversammlung diese Woche in Köln auf eine Reform des Formats verständigt. Das hätten alle anwesenden Vertreter der ARD-Anstalten in Köln vereinbart, schrieb die Zeitung unter Berufung auf Teilnehmerkreise.

"Stoff für zwei Duelle"

Mit ihrer bereits vor dem diesjährigen TV-Duell Anfang September geäußerten Kritik sind die ARD-Intendanten nicht allein: "Das ZDF hat sich - wie die anderen beteiligten Sender auch - in diesem Wahljahr intensiv für zwei TV-Duelle, ein öffentlich-rechtliches und ein privates, eingesetzt", teilte der Sender am Donnerstag auf Anfrage mit. "Inhaltlich gab es genug Stoff für zwei Duelle."

ProSiebenSat.1-Nachrichtenchef Hans-Peter Hagemes kommentiert das so: "Wir haben uns schon in diesem Jahr für zwei TV-Duelle eingesetzt. Stand heute werden wir dies zur nächsten Bundestagswahl auch wieder tun." RTL-Sprecher Matthias Bolhöfer meinte: "Wir sind auf jeden Fall für zwei Duelle. In welcher Konstellation, muss man dann sehen."

Darüber habe es mit ARD und ZDF noch keine neuen Gespräche gegeben. Allerdings gehe es ja auch um eine Sendung in vier Jahren.

Kritik vor und danach

Bereits im Vorwege des TV-Duells vom 3. September hatte es Streit gegeben. Zum einen war die SPD verwundert, weil es so aussah, als wolle die CDU die Details der Fernsehbegegnung im Vorwege diktieren, zum anderen hatte der ehemalige ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender Vorwürfe gegen Bundeskanzlerin Merkel erhoben, sie hätte das TV-Duell durch massiven Druck ihrer Vertrauten zu einem reinen Kanzlerformat gemacht.

Während und nach dem TV-Duell sorgte vor allem der für Sat.1 agierende Moderator Claus Strunz, früherer Chefredakteur der "Bild am Sonntag", für Empörung. Seine Spielerei mit populistischen Formulierungen und vor allem die Verkürzung eines Zitats von Martin Schulz zu dessen Ungunsten verärgerten schon bei der Fernsehübertragung viele Zuschauer.

Während Strunz sich nicht zu der Kritik an seiner Person äußerte, hatte Sat.1 den umstrittenen Moderator in einem kurzen Statement verteidigt: "Fragen von Claus Strunz sind nicht immer angenehm, aber er bringt die Gesprächspartner häufig dazu, auf den Punkt zu kommen und Farbe zu bekennen."

bsc/dpa



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