Nachrichtenagenturen ddp kauft deutschen AP-Ableger

Umwälzung auf dem Markt der Nachrichtenagenturen: ddp übernimmt ab sofort den deutschen Dienst der amerikanischen Associated Press, bis zu 15 Mitarbeiter müssen gehen. Zudem haben sich die Agenturen auf eine langfristige Kooperation geeinigt.
ddp-Duo Peter Löw und Martin Vorderwülbecke: "Korrektur von bis zu 15 Stellen"

ddp-Duo Peter Löw und Martin Vorderwülbecke: "Korrektur von bis zu 15 Stellen"

Foto: DDP

Berlin - Der Deutsche Depeschendienst (ddp) hat mit sofortiger Wirkung die deutsche Tochter der US-Nachrichtenagentur Associated Press (AP) gekauft. Die Unternehmensmitteilung vom Montag bestätigt die seit Monaten kursierenden Gerüchte. Laut "Süddeutscher Zeitung" werden zunächst alle 110 festen AP-Mitarbeiter übernommen und gesellen sich damit zu den rund 140 angestellten ddp-Journalisten. Peter Löw, neben Martin Vorderwülbecke Eigentümer der ddp, kündigt jedoch "eine Korrektur in der Größenordnung von bis zu 15 Stellen" an. Gekostet haben soll der deutsch-amerikanische Deal einen zweistelligen Millionenbetrag.

Löw sagte der Zeitung zufolge, der Deal werde die hiesige Medienlandschaft umwälzen und man werde durch den Zukauf zur "besten Voll-Agentur in Deutschland" aufsteigen - eine erneute Kampfansage an den bisherigen Marktführer, die Deutsche Presse-Agentur dpa. Außerdem stellten die Investoren klar, dass sie nicht vor hätten, AP weiterzuverkaufen.

Dazu passt, dass die Unternehmen eine 15-jährige, als langfristige Partnerschaft eingingen, in deren Rahmen die jeweiligen Dienste ausgetauscht werden. ddp erhält damit die Lizenz, internationale AP-Meldungen für den deutschsprachigen Markt in Deutschland, Österreich und der Schweiz zu übersetzen. Weitere Details wurden zunächst nicht mitgeteilt.

Der Betriebsrat von AP begrüßte, dass "nun nicht der Abbau von Stellen im Fokus stehen soll, sondern Wachstum". Allerdings besteht offenbar dringender Klärungsbedarf: Die Mitarbeiter erwarteten eine "zügige und umfassende Klärung, wie es mit der GmbH, ihren Stellen, den geltenden Arbeits- und Tarifverträgen sowie den bisherigen Hauptstandorten Frankfurt und Berlin und den Regionalbüros weitergeht", hieß es in einer Mitteilung. Dass der deutsche Ableger überhaupt verkauft wird, sorgt aber offenbar für Kopfschütteln. Als "großes Rätsel" bezeichnet der Betriebsrat den Verkauf, zumal "die deutsche AP mit einem Jahresumsatz von rund 13 Millionen Euro hochprofitabel" sei und "Jahr für Jahr Millionen-Überschüsse an die Mutter in New York überwiesen" habe.

Die Nachrichtenagentur ddp mit Hauptsitz in Berlin liefert Kunden aller Mediengattungen Nachrichten in Text und Bild aus Deutschland und bietet flächendeckend Landesdienste aus den Bundesländern an. Das Angebot von AP Deutschland, das seit 1931 ausgeliefert wird, umfasst überregionale Nachrichten in Text und Bild aus dem Inland und deutschsprachige Auslandsnews überwiegend auf der Basis der internationalen Dienste von Associated Press. Sitz der bisherigen AP-Tochter ist Frankfurt am Main.

can/tdo/ddp