Nachwuchs-Fotopreis Die Ruhe vor dem Klick

Kühl und konzeptionell: Die Jury des "Epson art photo awards" um Andreas Gursky zeigte sich beeindruckt von dem hohen Niveau junger Fotokünstler. Zur Belohnung gibt es auf der Art Cologne ansehnliche Preisgelder - und die Aussicht auf eine glänzende Karriere.


Köln - Kann man so fotografieren, wie Van Gogh malte? Der Fotografie-Studentin Sarah Anne Smith war es einen Versuch wert. Für ihre Fotoserie "Verlassen" setzte sie unter anderem in kalten Farben einen Tisch mit einer hellen, leicht zerknitterten Decke in Szene. Darauf stellte sie ein Kännchen und eine Tasse, dahinter einen dunkelbraunen Stuhl. Das alles fotografierte sie vor einem dunklen Hintergrund.

Der Effekt könnte nicht größer sein: Der Minimalismus ihrer Bilder, die strenge Komposition beeindruckte die hochkarätig besetzte Jury des "Epson art photo awards 2009" derart, dass sie Smith zum Auftakt der Art Cologne den Preis als beste Künstlerin zuerkannte. Die Studentin der Fotoschule Stuttgart erhält so den Hauptpreis von 10.000 Euro.

Mit weiteren 15.000 Euro wurde die künstlerisch beste Gruppenleistung prämiert. Die beste Fotoklasse kommt aus Dortmund und überzeugte die Jury, die neben dem Starfotografen Andreas Gursky mit weiteren bekannten Namen aus der Kunstszene besetzt ist: dem Hauptkurator im Münchner Haus der Kunst, Thomas Wesky; dem Auktionator des Kölner Kunsthauses Lempertz, Henrik Hanstein; dem Chefredakteur des Kunstmagazins "Art", Tim Sommer; und dem Philosophen und Kunstwissenschaftler von der Fakultät für Design und Künste an der Freien Universität Bozen, Gerhard Glüher.

"Man sieht, dass die Studentinnen und Studenten ein klares Konzept entwickelt hatten", lobt Gursky das hohe Niveau der Arbeiten. "Die Siegerklasse zeigt sich als idealtypisch", bestätigt sein Jurykollege Sommer, "auf der einen Seite weist sie eine sichtbare Handschrift der gesamten Klasse vor. Andererseits gesteht sie den Einzelnen ihre künstlerische Individualität zu." Weitere 25 Künstler wurden mit jeweils 500 Euro Preisgeld ausgezeichnet.

Die Nachwuchsfotografen nähern sich ihren Sujets von der konzeptionellen Seite: "Der Wille zur Pose ist zwar da, doch sie überzeugt nicht, zu offensichtlich ist die Erschöpfung", erklärt etwa Jonas Holthaus aus der Gewinnergruppe seine Bilderserie "Positur und Kampf".

Kati Ficek dagegen möchte mit ihrer Arbeit "junge Menschen, denen der Schritt ins Erwachsenenleben nicht gelingt", zeigen. Ihr geht es um "das Stillhalten der Zeit, die Reglosigkeit und das Gefangensein der Menschen in diesem Stadium."

Die Fotografien der Nachwuchskünstler werden auf der Kunstmesse Art Cologne ausgestellt. Somit haben die jungen Fotografen die Möglichkeit, während des Wettbewerbs und auch danach auf dieser wichtigen internationalen Messe für zeitgenössische Kunst interessante Kontakte zur Kunstszene zu knüpfen.

Tatsächlich beschleunigte der Epson-Fotopreis die Karriere einiger Kunstfotografen. Julian Faulhaber beispielsweise war in der Gewinnerklasse 2005. Seine Werke werden heute mit bis zu 5.000 Euro gehandelt.

Der "Epson art photo award" wurde in diesem Jahr zum vierten Mal vergeben. Mit insgesamt 37.500 Euro Preisgeld ist er einer der höchstdotierten Wettbewerbe für Nachwuchs-Fotokunst in Europa. Es dürfen ausschließlich Fotografie-Gruppen oder -Klassen teilnehmen. Jedes Mitglied kann höchstens sechs Bilder einsenden. Dieses Jahr hatten sich 1.000 Nachwuchskünstler aus 136 Klassen und 30 Ländern für den Hauptpreis beworben. Die Gewinnerklasse des vergangenen Jahres war eine Studentengruppe der ungarischen Moholy-Nagy-University of Art And Design in Budapest.

hyc



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