Nannen-Preise 2019 Bastian Berbner für Reportage über ungleiche Freunde ausgezeichnet

Werkstatt-Atmosphäre statt Glamour, Verlagshaus statt Elbphilharmonie: Die Nannen-Preise wurden bescheidener verliehen als in den vergangenen Jahren. Das sind die Gewinner.

Die Nannen-Preise
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Die Nannen-Preise


In seiner Reportage "Ich und der ganz andere" beschreibt Bastian Berbner die Freundschaft zwischen einem Homosexuellen und einem Homophoben in Irland. Für den Text, der im "Süddeutsche Zeitung Magazin" erschien, wurde Berbner im Rahmen der Nannen-Preisverleihung in Hamburg mit dem Egon-Erwin-Kisch-Preis ausgezeichnet.

Im Vergleich zu den vergangenen Jahren fand die Zeremonie in deutlich kleinerem Rahmen statt. 2018 waren die Nannen-Preise in der Hamburger Elbphilharmonie verliehen worden. In diesem Jahr luden die Verantwortlichen ins Verlagshaus von Gruner + Jahr ein, zu dem das 1948 von Henri Nannen gegründete Magazin "Stern" gehört.

"Früher war mehr Lametta", sagte Moderatorin Marietta Slomka. Grund für die neue Form ist auch der Betrugsfall Claas Relotius. Im Dezember 2018 hatte der SPIEGEL die Fälschungen seines ehemaligen Redakteurs Relotius aufgedeckt. Einen Tag vor der Verleihung der Nannen-Preise wurde der Abschlussbericht der vom SPIEGEL beauftragten Aufklärungskommission veröffentlicht. Das Thema überschattete die Veranstaltung.

"In Relotius steckt auch etwas Gutes: dass wir unser Handwerk reflektieren. Wenn wir unsere Glaubwürdigkeit verlieren, können wir einpacken", sagte "Stern"-Chefredakteur Florian Gless. Verlagschefin Julia Jäkel ergänzte: "Wir müssen zeigen, mit wie viel Aufwand wir Journalismus betreiben." Zu diesem Zweck hatte Gruner + Jahr im Laufe des Tages zu Vorträgen, Diskussionen und Redaktionsführungen geladen, zu denen sich etwa 1000 Teilnehmer angemeldet hatten.

Die weiteren Nannen-Preisträger 2019

  • Dokumentation: Karsten Krogmann und Christian Ahlers ("NWZ Online") für "Die Akte Högel"
  • Investigative Leistung: Pascale Müller und Stefania Prandi (buzzfeed.com und "Correctiv") für "Vergewaltigt auf Europas Feldern"
  • Lokale Investigative Leistung: Oliver Schmetz und Stephan Mohne ("Aachener Zeitung") für "Teure Bande: Die dubiosen Gehälter von Personalräten"
  • Web-Projekt: Katharina Brunner, Sabrina Ebitsch, Sebastian Gierke und Martina Schories (sueddeutsche.de) für "Das gespaltene Parlament"
  • Reportage-Fotografie: James Nachtwey ("Stern") über die die zunehmende Anzahl an Opioid-Vergiftungen in den USA
  • Inszenierte Fotografie: Stephan Vanfleteren ("mare") für "Wie stellst du dir deine Zukunft vor?"

mmm/dpa



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