Wegen BDS-Unterstützung Jury überdenkt Nelly-Sachs-Preis an Kamila Shamsie

Die Autorin Kamila Shamsie sollte den Nelly-Sachs-Preis der Stadt Dortmund erhalten - sie unterstützt jedoch die umstrittene Anti-Israel-Kampagne BDS. Jetzt will die Jury noch einmal nachdenken.
Ob Kamila Shamsie den Nelly-Sachs-Preis erhält, ist unklar

Ob Kamila Shamsie den Nelly-Sachs-Preis erhält, ist unklar

Foto: Simone Padovani/ Getty Images

Der Nelly-Sachs-Preis der Stadt Dortmund ehrt Schriftsteller, die sich für "Toleranz, Respekt und Versöhnung" und für ein friedliches Zusammenleben einsetzen. In diesem Jahr sollte er an die Schriftstellerin Kamila Shamsie gehen - für ihr literarisches Schaffen, das Brücken zwischen Kulturen schlage. Jedoch: Die pakistanisch-britische Schriftstellerin befürwortet die umstrittene BDS-Bewegung ("Boykott, Desinvestitionen, Sanktionen"), die Israel politisch, wirtschaftlich, kulturell und wissenschaftlich isolieren will. Weil das nun für Kritik sorgte, will die Jury die Preisvergabe noch einmal überdenken.

Als bekannt wurde, dass Shamsie den nach der jüdischen Schriftstellerin Nelly Sachs benannten Literaturpreis erhalten soll, machte als Erstes der Blog Ruhrbarone  auf ihre Haltung aufmerksam. Shamsie weigere sich demnach, in Israel zu publizieren. Das zitiert die Webseite der BDS-Kampagne aus einem Brief Shamsies an einen israelischen Verleger. Am Mittwoch habe die Schriftstellerin ihre Unterstützung für BDS noch einmal bekräftigt.

Sie fordere die Stadt Dortmund dazu auf, eine andere Preisträgerin zu finden, sagte Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, Antisemitismusbeauftragte des Landes, in den Ruhrnachrichten. Mit dieser Entscheidung verstoße die Stadt gegen die erst im März beschlossenen Grundsatzregeln gegen Antisemitismus. "Was läuft da schief? BDS ist preisverdächtig, really?", fragte auch der Grünen-Politiker Volker Beck auf Twitter.

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"Zum Zeitpunkt der Entscheidung war keinem der Jurorinnen und Juroren bekannt, dass Kamila Shamsie in der Vergangenheit die Kampagne BDS unterstützt hat", verkündete die Stadt Dortmund in einer Stellungnahme . Man wolle die Entscheidung nun noch einmal überprüfen. Die Jury werde in den kommenden Tagen beraten.

Der Nelly-Sachs-Preis soll alle zwei Jahre Menschen ehren, die überragende schöpferische Leistungen auf dem Gebiet des literarischen und geistigen Lebens hervorbringen und sich für eine Verbesserung der kulturellen Beziehungen zwischen den Völkern einsetzen.

Die Auszeichnung ist mit 15.000 Euro dotiert und soll am 8. Dezember verliehen werden. Zu den bisherigen Preisträgern zählen etwa Margaret Atwood, Rafik Schami, Christa Wolf und Milan Kundera.

evh
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