Positionen am rechten Rand Groß denken!

Die Neue Rechte wusste schon immer, dass auf dieser Welt alles mit allem zusammenhängt. Homosexualität und der Klimawandel zum Beispiel. Vielleicht ist die Erde ja doch eine Scheibe.

Regenbogenfahne in Berlin
DPA

Regenbogenfahne in Berlin

Eine Kolumne von


Zwei AfD-Menschen fackeln die Regenbogenfahne ab, der neue harte Flügel der CDU wendet sich gegen den Genderirrsinn und sexuelle Früherziehung, neben allerlei Schmonzes, den man vielleicht noch mit einem müden Kopfnicken wieder vergessen könnte.

Das ist groß gedacht!

Und gleicht in seiner überlegten Weitsicht der Reformierung der US-Politik durch den geliebten Führer Trump. Die starken Positionen der rechten Randerscheinungen sind nicht nur äußerst begrüßenswert und ein stückweit mutig in Zeiten des politisch korrekten Links-Gequatsches, sondern auch ein kluger Plan gegen - einfach alles.

Wie wir wissen, trägt jedes homosexuelle Paar, das irgendwo in einer zu Tode designten Wohnung sitzt und Bakkarat spielt, zum Klimawandel bei. Die Erderwärmung, Sie wissen schon. Gleichgeschlechtliche Paare, die gar Kinder adoptieren, sind Schuld an der Ratlosigkeit der Politik bezüglich der Frage, was mit all den durch Roboter überflüssig gewordenen Arbeitskräften anzustellen ist.

Wenn diese Übel beseitigt wären - die Lösungen für die Probleme der Zukunft könnten rasant umgesetzt werden. Die immer älter werdende europäische Rasselbande wäre unter Kontrolle, diverse Löcher in den Rentenleistungen der nächsten Generation könnten gestopft werden. Verursacht werden die ohnehin nur durch Kinder, die in der Schule den Unfug lernen, Homosexualität sei keine Krankheit, oder für ein Mädchen sei es durchaus in Ordnung, keine Lust auf Sex mit einem Jungen zu haben.

Gott, die große Führerin

Wir - also Sie, liebe rechte Elite, und ich - wissen doch, wie der Hase läuft. Minderheiten sind am Eiern der Welt Schuld. Frauen, die sich an den Händen halten. Menschen, die angeblich (ich knuffe Ihnen in die Flanken) in einem falschen Körper geboren wurden. Da lachen Sie, natürlich lachen Sie, Sie haben einen Körper und der funktioniert wie eine Maschine, Sie haben diesen Körper geformt, Sie haben ihn nicht unbedingt gerne, aber er ist ein Geschenk Gottes. Das Gott. Die große Führerin. Ich komme ins Schwärmen.

Ihnen und mir ist klar, dass die Welt eine Ordnung braucht. Frauen mit gebärfähigen Becken und Männer, die, eine Hymne singend, in sie stoßen und gesunde Kinder gebären, die sich total wohl in ihren gesunden Körpern fühlen. Also - die Männer gebären die, das ist der nächste Plan, dann benötigt man die Frauen nur noch zum Sauberhalten der Gebärorte.

Das Ende der Welt begann, als Frauen plötzlich Hosen trugen

Aber zurück zum Thema. Das Plastik, das die Meere verseucht - das sind doch all die Kondome der homosexuellen Männer. Und die Konzerne, die reicher sind als Staaten und mit ihrem Geld die Erde zukoten - ja, auch ihre Erde, Kamerad - sie sind so mächtig geworden durch den Werteverfall, durch den homosexuellen Milzbrand, der die reine, ordentliche, heterosexuelle Ehe von Mann, Frau, Kind und deutschem Schäferhund zerstört. Wobei der Hund auch im sexuellen Sinn kein Kostverächter ist.

Es ist doch so, dass das Ende der Welt begann, als Frauen plötzlich Hosen trugen und Homosexuelle Rad fuhren. Als schwarze Menschen studierten, OMG, lassen Sie uns nicht von dieser Anmaßung anfangen, die dafür Sorge trug, dass all die Tierarten ausgestorben sind, die wir so gerne auf unseren Tellern sahen.

Ich könnte noch tausend Dinge aufzählen, an denen unsere Erde krankt. Sie merken auch, dass sie immer scheibenförmiger wird? Ich könnte von Elend reden, Überschwemmungen und zu hohen Steuersätzen für Geringverdienende, die Probleme des Pflegepersonals, ich schlage meinen Kopf auf die Tischplatte, die aus den Knochen schwuler Pinguine gebaut wurde.

Schluss mit dem Irrsinn.

Jetzt wird aufgeräumt.

Ich danke Ihnen.

Mehr zum Thema
Newsletter
Kolumne - Fragen Sie Frau Sibylle


insgesamt 87 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
MattKirby 01.04.2017
1. Ist das Alles
Frau Berg, was Ihnen zu den neuen Rechten einfällt. Wenn ja, wird das nix. Ganz schwache Kolumne.
MT98 01.04.2017
2. Groß denken ist doch eine linke Ansicht!
Die Rechten sind eher der Meinung, dass Recht, Ordnung, Disziplin und sicher Grenzen sehr wichtig sind. Bei der Gegenseite sind solche Werte nicht erwünscht. Alles ist ein Einheitsbrei. Grenzen auf, Geld verteilen, möglichst nichts verbieten, fast alles ist erlaubt. Vielleicht sollte noch einmal überdacht werden, was dem Leser mitgeteilt werden soll.
hardeenetwork 01.04.2017
3. Es tut so weh
Und doch ist es wahr. Werden die Rechten es lesen, oder gar verstehen? Zumindest letzteres sicher nicht. Vielen Dank Frau Sybille Berg. Und ich werde nicht aufhören für die andere Welt zu kämpfen. Jeden Tag und mit aller Kraft. Denn ich liebe einen runden, friedlichen, bunten, gerechten und offenen Planeten Erde.
Listkaefer 01.04.2017
4. Na ja, etwas verworren ...
... dieser Text. Hektisches Springen von Wortgag zu Wortgag - das ist nicht so gut wie sonst, Frau Berg.
gabarek 01.04.2017
5. Gut getroffen
Eine wunderbar bittersüsse Kolumne. Herzlichen Dank dafür.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.