Neue Sat.1-Serie "Klinik am Alex" "Der Halbgott in Weiß ist Geschichte"

Öder "Grey's Anatomy"-Klon oder mutige Eigenproduktion? Sat.1 will mit der "Klinik am Alex" das kränkelnde deutsche Seriengewerbe beleben. Im SPIEGEL-ONLINE-Interview erklärt Joachim Kosack, Fiction-Chef des Senders, was an der Kittel-Saga modern ist - und entschuldigt sich beim Publikum.


SPIEGEL ONLINE: Am Donnerstag starten Sie die neue Sat.1-Krankenhausserie "Klinik am Alex". Es geht um sechs junge Assistenzärzte, um Konkurrenz und Eifersüchteleien am Arbeitsplatz. Die Parallelen zum US-Erfolg "Grey's Anatomy" sind unverkennbar. Haben Sie keine eigenen Ideen?

Kosack: "Klinik am Alex" ist eine moderne Medical-Serie mit einem Ensemble, dem auch kantige Figuren angehören. Ich bin kein "Grey's"-Spezialist, aber natürlich gibt es Anleihen: Auch bei uns geht es um junge Ärzte, die sich im Beruf beweisen müssen. Bewusst abgeschaut habe ich mir bei den Amerikanern aber nur einen Punkt: Eine Serie läuft im amerikanischen Fernsehen unter dem Label Show. Das heißt, es geht um große Unterhaltung. Die Zuschauer sollen sich faszinieren lassen und in eine fiktionale Welt eintauchen.

SPIEGEL ONLINE: Was bei "Dr. Molly & Karl" offenbar nicht funktioniert hat: Die hoch gelobte Sat.1-Arztserie ist gefloppt. Haben Sie die Zuschauer mit der herrschsüchtigen, dicken Oberärztin Susanne Mollberg verschreckt? RTL feiert ja mit dem Kotzbrocken "Dr. House" seit Jahren Quotenerfolge.

Kosack: Es lag bestimmt nicht an der Figur der Dr. Molly, dass die Serie nicht ihr Publikum gefunden hat. Unantastbare Helden haben im Fernsehen tatsächlich ausgedient. Die Zuschauer glauben nicht mehr an die Krankenschwester, die nach 30 Stunden im Dienst immer noch unfehlbar ist. Der Halbgott in Weiß ist Geschichte. Man braucht heute in einer Krankenhausserie eine glaubwürdige Identifikationsfigur.

SPIEGEL ONLINE: Bei "Klinik am Alex" setzen sie mit trotzdem auf eine junge Ärztin, die stupsnäsig und niedlich daherkommt. Die Wutanfälle, die Meredith Grey in "Grey's Anatomy" auszeichnen, traut man Ihrer Luisa Keller kaum zu.

Kosack: Auch Luisa Keller ist kein Engel, gleich in der ersten Folge nimmt sie einer Kollegin einen Fall weg. Helden werden interessanter, wenn sie menschlich sind - und dazu gehören auch ihre Fehler.

SPIEGEL ONLINE: Teamworx hat für Sat.1 gleich 27 Folgen produziert - Sie glauben also fest an den Erfolg der Serie?

Kosack: Die Privatsender haben in den letzten Jahren viel Vertrauen verspielt. Gute Serien wurden wegen schlechter Quote zum Teil zu schnell wieder abgesetzt. So entsteht Misstrauen bei den Zuschauern. Wir müssen jetzt versuchen, ihr Vertrauen zurück zu erobern.

Das Interview führte Julia Bonstein



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