Neue Staffel "Schmidt & Pocher" Der Lange und der Lästige

Zurück ins Mittelmaß: Die erste "Schmidt & Pocher"-Show nach der Sommerpause plätscherte zwischen zu späten CSU-Witzen, lahmen Finanzmarkt-Ratespielen und einem Plausch mit Thomas Gottschalk dahin. Am lustigsten war ausgerechnet ein Anruf bei Günther Jauch.
Von Peer Schader

Mal angenommen, die Wichtigkeit eines Fernsehmoderators in Deutschland würde sich an der Länge der Sommerpause ablesen lassen, die ihm von seinem Haussender zugestanden wird. Dann muss Thomas Gottschalk immer noch unangefochten die Nummer eins sein. Sechs Monate hat der Mann jedes Jahr frei, bevor er ab Oktober wieder sechs mal "Wetten dass...?" moderieren muss. Sechs Monate! So lange dauern beim ZDF also die großen Ferien.

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Foto: ARD

Da können Harald Schmidt und Oliver Pocher sich noch ganz schön was abgucken. Vier Monate Sendepause – ha, das ist doch gar nix dagegen! Und schließlich hat jeder von beiden zwischendurch bei einem großen Sportereignis spätabends im Ersten aushelfen müssen, Pocher zur Fußball-EM, Schmidt bei Olympia. Wahrscheinlich reichte die Zeit nicht mal für eine simple Kreuzfahrt.

Wie gut, dass Gottschalk jetzt in der ersten "Schmidt & Pocher"-Sendung nach der Sommerpause zu Gast war, da hätte sich das gleich besprechen lassen. Es hat dann aber doch bloß für einen ganz sympathischen Talk unter Kumpels gereicht, die sich vom Fernsehen kennen - ein bisschen über den Deutschen Fernsehpreis lästern, den Gottschalk am Wochenende moderiert, und dann aus Jux mal den Günther Jauch anrufen, der dummerweise der Lustigste in der Runde war und dafür nicht mal im Studio sein musste.

"Ich hab heute in so einem Interview gelesen, der Schmidt will wieder mehr Fernsehen machen – wenn ich den Dax anschau, weiß ich auch, warum", ulkte Jauch, der im vergangenen Jahr zur ersten "Schmidt & Pocher"-Sendung geladen war, und verabschiedete sich aus der 22. mit einer netten Breitseite nach mehrminütigem Plausch: "Das sind ja preiswerte Sendungen, die ihr da macht."

Zu spät gekommene CSU-Witze

Stimmt aber gar nicht. Wenn man das mal wörtlich nähme, würde das schließlich bedeuten, der Lange und der Lästige würden einen angemessenen Gegenwert für die mit der ARD vereinbarte Honorierung liefern. Das passt nicht ganz zu einer Sendung, die aus Pochers üblicher Oliver-Kahn-Parodie und ein paar zu spät gekommenen Witzen über die CSU und das Finanzmarktchaos bestand.

Andererseits, lustig ist das schon: In den USA laufen die Komiker seit Wochen zu Hochform auf, machen Wahlkampf und Bankenpleiten überhaupt erst erträglich – und in Deutschland macht die Humorfront: Urlaub. Man kennt das ja: Nach dem Urlaub ist es besonders schwer, bei der Arbeit den Kopf wieder von der Tischplatte zu heben, weil es sich im Sitzen sonst so schlecht schläft.

Dabei könnte "Schmidt & Pocher" eigentlich eine ganz phantastische Sendung sein, wenn die beiden, die ihren Namen dafür hergeben, nur noch ein paar Ideen mehr hätten, konsequenter unverschämt wären, bis der ARD-Intendantenrunde wieder das Toupet hochgeht vor lauter "Unverschämtheit!"-Rufen.

Nicht langweilig, nicht schlimm, bloß nicht genug

Und wie notwendig wäre das in einer Zeit, in der Süßholzraspeltalker die öffentlich-rechtliche Late Night bestimmen! Und Stefan Raab, über den Pocher so gerne lästert, sich bei Pro Sieben schon seit Jahren nur noch von einer abendlichen Aufzeichnung zur nächsten schleppt, weil er seine Energie lieber für stundenlange Wochenendshows aufhebt. Aber was macht einer wie Schmidt mit seiner ganzen Energie? Im November die Bambi-Verleihung moderieren. Zum dritten Mal. Ja, Mensch, das muss echt was mit dem Dax zu tun haben.

"Schmidt & Pocher" ist nicht richtig langweilig, nicht schlimm, nicht total einfallslos. Die Sendung ist bloß: nicht genug. Liefe sie jeden Tag, wäre eine Show wie die vom Donnerstag voll in Ordnung. Aber nach einer Woche Vorbereitung muss eigentlich mehr dabei herauskommen als lustiges Derivat-Zuordnen an einer "Finanzampel", um Zeit zu schinden.

Manchmal klappt aber auch etwas, zum Beispiel wenn Pocher zur Ankündigung von Gottschalk kommentarlos eine schwarze Karteikarte mit dem Slogan "S – wie Schleichwerbung" in den Händen hält, eine Anspielung auf Gottschalks Werbung für den Energieanbieter "E – wie einfach", der in der "Wetten, dass...?"-Sendung vom Sonntag ein Preisgeld spendierte und dafür hübsch sein Logo in die Kamera gehalten bekam.

Übernimmt Gottschalk bald den Laden?

Und wenn Pocher sich auf den Weg macht, den "Preis der beleidigten Zuschauer", den er kürzlich gewann, tatsächlich beim Initiator in Köln-Löwenich abzuholen, ist das ein großer Spaß, weil der Mann nicht damit gerechnet hätte, dass den potthässlichen Fisch, den er Jahr für Jahr virtuell an einen anderen Promi verleiht, auch wirklich einer haben will – Pocher muss nicht mal viel sagen, die Situation ist schon absurd genug.

Harald Schmidt hatte sicher auch einen guten Gag, aber der ist uns gerade entfallen. Ach nee, halt: "Wenn das so weitergeht mit den Schulden, dann heißt der nächste Finanzminister Peter Zwegat."

Okay, und wenn das mit "Schmidt & Pocher" im zweiten Jahr so weitergeht, mit mittelgut gelaunten Moderatoren, die sich nicht entscheiden können, ob sie lieber über Nobelpreisträger Witze machen wollen oder über Sarah Connor, und der eine so aussieht, als könnte er mit den Themen des anderen so gar nichts anfangen, dann besteht wirklich Gefahr, dass der Gottschalk den Laden demnächst noch mit übernimmt.

"Schmidt & Pocher & Gottschalk" hätte immerhin den Vorteil, dass dann für die ursprüngliche Besetzung die Sommerpause länger wäre. Wenn das hilft, wäre es den Versuch vielleicht sogar wert.

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