Solidaritätsaktion für Obdachlose New York geht auf die Knie

Auf Initiative eines Künstlers haben sich mehr als hundert New Yorker drei Kilometer durch Manhattan gequält, auf Knien und mit verbundenen Augen - für einen guten Zweck.

Für ein Kunstprojekt sind rund 140 Menschen auf den Knien durch New York gekrabbelt
Christina Horsten/ DPA

Für ein Kunstprojekt sind rund 140 Menschen auf den Knien durch New York gekrabbelt


Sie sind ein verbreitetes Bild nicht nur in US-Großstädten: Obdachlose, die mit einer Taschenlampe auf den Straßen nach Ess- und Brauchbarem suchen, manchmal auf allen Vieren. Oft ziehen sie angewiderte Blicke von Passanten auf sich, regelmäßig werden sie auch Opfer von Gewalt.

Eine Kunstaktion in New York will nun mehr Aufmerksamkeit und Verständnis für die Belange von Obdachlosen schaffen. "Menschen, die gezwungen werden, ihre Vertikalität aufzugeben, werden leichte Beute für alle Formen von Gefahr", sagt Künstler William Pope L.

Er hat deshalb rund 140 Menschen auf den Knien durch New York krabbeln lassen. Sie legten am Samstag insgesamt eine Strecke von rund drei Kilometern über Bürgersteige im Süden Manhattans zurück. In Gruppen zu etwa fünf Menschen krabbelten sie gemeinsam etwa einen Straßenblock in einer Art Stafette vom Greenwich Village bis zum Union Square. Viele Schaulustige blieben stehen, manche machten eine Weile mit.

"Den Schmerz endlich teilen"

Die meisten Teilnehmer hatten sportliche Kleidung und Knieschoner an, außerdem bekamen sie von Künstler Pope L. eine nicht ganz undurchsichtige Augenbinde umgebunden und eine Taschenlampe in die Hand. Vor ihnen her liefen Menschen, die für sie die Bürgersteige fegten und Parfüm versprühten.

Krabbelgruppe in Manhattan
Christina Horsten/ DPA

Krabbelgruppe in Manhattan

Organisiert hatte Pope L. die Performance gemeinsam mit dem Public Art Fund, der sich um Kunst im öffentlichen Raum in New York kümmert. Die Aktion soll unter anderem auf das Leid von Obdachlosen aufmerksam machen.

Der 1955 in Newark im US-Bundesstaat New Jersey geborene Künstler ist für seine Krabbelaktionen berühmt - schon seit rund 40 Jahren kriecht er allein oder mit anderen immer wieder durch die Straßen in New York und anderswo.

Am Samstag nahm Pope L. allerdings nicht selbst teil. "Das ist heute nicht meine Krabbelaktion, ich gebe sie weiter, nach 40 Jahren will ich den Schmerz endlich teilen."

beb/dpa

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