US-Zeitung "New York Times" ändert Trump-Überschrift nach massiven Protesten

"Unfassbar" - das ist eine prominente Reaktion auf die ursprüngliche Titelzeile der "New York Times" zu Donald Trumps Aussagen über die US-Massaker. Das Medienhaus reagierte prompt.

"New York Times"-Gebäude: Reichlich Diskussionsbedarf wegen Überschrift
REUTERS

"New York Times"-Gebäude: Reichlich Diskussionsbedarf wegen Überschrift


Die Reaktion der Redaktion ließ nicht lange auf sich warten: Die "New York Times" hat die Titelzeile ihrer Aufmachergeschichte für den 6. August in einer zweiten Auflage geändert. Im Original las sich die Überschrift zu Donald Trumps Reaktion auf die Massaker in Texas und Ohio so: "Trump mahnt zu Einheit gegen Rassismus" ("Trump urges unity vs. racism"). Diese Zeile hatte für erhebliche Proteste gesorgt.

Als einer der Ersten veröffentlichte der bekannte Statistik-Journalist Nate Silver eine Preview des Titelblatts bei Twitter mit dem Kommentar "Ich glaube nicht, dass ich das so formulieren würde". Sein Beitrag wurde massiv weiterverbreitet.

Die Kritik: Auch wenn die Zeile streng genommen korrekt sei, verkenne oder verharmlose sie den Kontext der Aussagen des Präsidenten. Schließlich habe dieser sich in der Vergangenheit immer wieder rassistisch geäußert, etwa in seinen Attacken gegen Einwanderer aus Mexiko ("Vergewaltiger"), vier weibliche Kongressabgeordnete ("warum gehen sie nicht zurück") oder den vornehmlich von Afroamerikanern bewohnten Ort Baltimore ("von Ratten befallenes Drecksloch").

In diesem Zusammenhang seien seine Aussagen über die Todesschüsse nicht so einfach für bare Münze zu nehmen, so die Kritik. Zudem habe Trump in seinem Statement ausgiebig auf die mutmaßliche Geisteskrankheit der Mörder hingewiesen und die Tragweite der Ereignisse so weiter relativiert. Bei Twitter kündigten manche Nutzer an, ihr Abo der Zeitung zu kündigen.

Auch zahlreiche demokratische Bewerber für das Weiße Haus äußerten sich negativ über die ursprüngliche Titelzeile. So etwa Kirsten Gillibrand:

Auch Cory Booker ging mit der Zeitung hart ins Gericht:

Nur ein Wort hatte Beto O'Rourke, der selbst aus El Paso stammt, für die Zeile übrig: "Unfassbar":

Bill de Blasio, Bürgermeister von New York und ebenfalls demokratischer Bewerber für das Präsidentenamt, spielte auf das Motto der Zeitung ("Die Wahrheit ist es wert") an. Die Zeile sei "nicht die Wahrheit" und es auch "nicht wert".

Die Demokratin Alexandria Ocasio-Cortez, selbst Opfer von Trumps rassistischen Attacken, will in der Überschrift einen weiteren Beweis für die Tendenz der Massenmedien erkannt haben, eine deutliche Positionierung zu vermeiden. Damit würden diese den Rassismus unterstützen. Dass der Artikel hinter der Zeile die Nuancen und Scheinheiligkeiten in Trumps Aussagen durchaus offenlegte, erwähnt Ocasio-Cortez an der Stelle nicht.

Allerdings schien die geballte Kritik in der Redaktion Eindruck hinterlassen zu haben. So titelte die zweite Auflage: "Kritik am Hass, aber nicht an den Waffen."

Zudem zitiert das Konkurrenzblatt "Washington Post" einen Sprecher der "New York Times" so: "Die Überschrift war schlecht und wurde für die zweite Auflage geändert."

jok

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