"New York Times"-Chefredakteur "Trump setzt das Leben unserer Reporter aufs Spiel" 

Der Chefredakteur der "New York Times" wirft Donald Trump unverantwortliche Attacken auf einzelne Journalisten vor. Einen Rassisten oder Sexisten will Dean Baquet ihn aber nicht nennen.

Gedruckte "New York Times": 2014 übernahm Dean Baquet die Chefredaktion
Ole Spata/ PA

Gedruckte "New York Times": 2014 übernahm Dean Baquet die Chefredaktion


Im Wahlkampf hatte die " New York Times" Donald Trump als "schlechtesten Kandidaten aller Zeiten" bezeichnet. Spätestens seitdem attackiert der US-Präsident die renommierte Zeitung unerlässlich und nennt auch Namen einzelner Journalisten. Damit setze er das Leben der Reporter aufs Spiel, wie Chefredakteur Dean Baquet nun in einem Interview mit dem "Guardian" sagte. Trump stelle die Journalisten öffentlich an den Pranger, auch indem er sie als "Volksfeinde" bezeichne.

"Ich denke, indem er Journalisten namentlich anfeindet, gefährdet er deren Leben", erklärte Baquet weiter, er bezog sich dabei unter anderem auf Attacken gegen die Weiße-Haus-Korrespondentin Maggie Haberman. Diese Anfeindungen Trumps seien gefährlich, eines Präsidenten unwürdig und ein Angriff auf die Presse. Insgesamt reflektierte Baquet in dem Gespräch über Trumps Beschimpfungen der Presse allgemein und der "New York Times" im Besonderen. Nach einem Streit zwischen Verleger A. G. Sulzberger und Trump im vergangen Jahr hatte sich die Beziehung weiter zugespitzt.

Baquet äußerte sich in dem Interview aber nicht nur zum Verhältnis zum US-Präsidenten: Nicht nur von Trump komme immer wieder Kritik, auch aus dem linken Lager werde er angefeindet, weil er und seine Zeitung sich weigern, Trump als Rassisten und Sexisten zu bezeichnen. Baquet führte dazu aus, dass er nicht in der Position sei zu wissen, ob Trump seine rassistischen Kommentare mache, weil er tatsächlich Rassist sei. "Ich stecke nicht in seinem Kopf, um das beurteilen zu können."

Dean Baquet wurde 2014 Chefredakteur der "New York Times"
Nicholas Hunt/ Getty Images

Dean Baquet wurde 2014 Chefredakteur der "New York Times"

Vielmehr sei es Aufgabe des Journalismus darüber zu berichten, was andere sagten und in welchem Umfeld sie sich bewegten. "Darauf basierend kann sich jeder sein Urteil bilden. Ich denke, das ist der Weg, um über Trump zu berichten. Es geht darum, ihn selbst sprechen zu lassen." Aus dem gleichen Grund, aus dem er Trump nicht als Rassisten bezeichne, weigere er sich auch, ihn einen Sexisten zu nennen, obgleich "außer Frage steht, dass Trump Probleme mit Frauen hat".

Der heute 63-jährige Baquet hatte die "New York Times" 2014 als Chefredakteur übernommen. Unter seiner Ägide gelang der finanziell und journalistisch strauchelnden Zeitung die Transformation der gedruckten Ausgabe zu einem aufs Digitale ausgerichtete Produkt. Dazu trug auch A.G Sulzberger maßgeblich bei, der 2018 das Erbe seines Vaters Arthur Ochs Sulzberger als Verleger angetreten hatte.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version hatte es eine Ungenauigkeit in der Übersetzung des Ausdrucks "enemy of the people" gegeben. Richtig muss es "Volksfeinde" heißen. Wir haben den Fehler korrigiert.

brs



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