Indiens Mars-Mission "New York Times" entschuldigt sich für Karikatur

Darf man Inder als schmächtige Kuhhirten darstellen? Ein Cartoon der "New York Times" zur indischen Mars-Mission hat für viel Aufregung bei den Lesern gesorgt. Jetzt hat sich die Redaktion entschuldigt.

Screenshot der Internetseite der "New York Times"

Screenshot der Internetseite der "New York Times"


Herabwürdigend, abfällig, stereotyp: So lautete das Urteil vieler Leser, als die "New York Times" am 28. September eine Karikatur zur erfolgreich angelaufenen indischen Mars-Mission veröffentlichte. Eine Woche später hat die Zeitung nun auf die Kritik reagiert und sich für die Karikatur entschuldigt.

Die Zeichnung des in Singapur lebenden Karikaturisten Heng Kim Song zeigt einen schmächtigen Inder, der einen Turban und Sandalen trägt, eine Kuh an einer Leine mit sich führt und an die Tür des "Elite Space Club" (Elite-Weltraumklub) klopft. Darin sitzen zwei rundliche, weiße Männer im Anzug, die eine Zeitung mit einer Titelgeschichte zu Indiens Mars-Mission lesen. Die Karikatur erschien in "The International New York Times" und gehörte zu einem Artikel über Indiens kostengünstige Mars-Mission.

Neues Mitglied im "Elite-Club"

Indien hatte im September die Sonde "Mangalyaan" gleich beim ersten Versuch erfolgreich zum Mars geschickt. Das Projekt hatte nur 57 Millionen Euro gekostet - weniger als der Bau der meisten Passagierflugzeuge. Premierminister Narendra Modi hatte daraufhin gejubelt, dass auch Indien nun zum Eliteklub der Nationen gehöre, die es mit einer Sonde bis zum Nachbarplaneten geschafft haben.

In den sozialen Medien sorgte die Karikatur prompt für Verärgerung. "Das rückständigste an Indiens Billig-Mission zum Mars ist Heng Kim Songs Cartoon in der 'New York Times'", schrieb ein Twitter-User. Ein anderer Benutzer wertete die Karikatur in einem Tweet als Zeichen einer "bedauernswert herablassenden Haltung des Westens" und "der steigenden Nervosität angesichts Asiens Aufstieg".

Auf Facebook veröffentlichte der "New York Times"-Redakteur Andrew Rosenthal daraufhin eine Entschuldigung. Die Absicht des Karikaturisten Heng Kim Song sei es gewesen, "aufzuzeigen, dass die Raumfahrt nicht länger die exklusive Domäne reicher, westlicher Länder" sei, schrieb Rosenthal. Der Zeichner hätte nie vorgehabt, Indien, die indische Regierung oder die Bürger anzugreifen.

sib



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