Stellenabbau "New York Times" streicht 100 Stellen im Newsroom

Erst der abrupte Chefredakteurswechsel, jetzt weitreichende Kürzungen: Die "New York Times" hat angekündigt, allein in ihrem Newsroom 100 Stellen zu streichen.
Rund 100 Stellen sollen im Newsroom der "New York Times" wegfallen

Rund 100 Stellen sollen im Newsroom der "New York Times" wegfallen

Foto: Uncredited/ ASSOCIATED PRESS

Kein halbes Jahr ist "New York Times"-Chefredakteur Dean Baquet im Amt, da steht ein neuer Kahlschlag bei der Traditionszeitung an: Über 100 Stellen sollen allein im Newsroom gestrichen werden, wie die "NYT" am Mittwoch in eigener Sache berichtet . Das entspricht nach eigenen Angaben rund 7,5 Prozent der Stellen im Newsroom. Andere Ressorts sowie der kaufmännische Bereich sollen in geringerem Umfang betroffen sein, genauere Zahlen wurden hier aber nicht genannt.

"Die Streichungen sind nötig, um unsere Kosten kontrollieren zu können und es uns zu ermöglichen, weiter in die digitale Zukunft der 'New York Times' zu investieren", schrieben Herausgeber Arthur Sulzberger Jr. und Geschäftsführer Mark Thompson in einer Hausmitteilung. "Aber wir wissen, dass dies schmerzhaft für die Betroffenen und ihre Kollegen sein wird."

Die "NYT" hat nach eigenen Angaben in den vergangenen Jahren mehrfach massiv Stellen im Newsroom gestrichen: Schon 2008 und 2009 fielen jeweils 100 Stellen weg, 2013 wurden zusätzlich 30 führende Redakteure entlassen. Trotzdem war die Besetzung des Newsroom zuletzt wieder gewachsen, von 1250 auf rund 1330 Stellen im Verlauf des Jahres. Warum die Geschäftsführung diese Entwicklung zunächst geduldet hat und ihr nun gegensteuert, blieb offen.

Ein "verstörendes Jahr" für den Newsroom

Neben den Entlassungen kündigten Thompson und Sulzberger außerdem an, die mobile App "NYT Opinion" wegen zu geringer Abonnentenzahlen vom Markt zu nehmen. Doch damit scheint es noch nicht genug zu sein. In einer separaten Mitteilung an die Mitarbeiter des Newsrooms schrieb Chefredakteur Baquet: "Ich werde dies als eine Möglichkeit nutzen, um manches, das wir hier tun, einer ernsthaften Prüfung zu unterziehen - von der Zahl der Zeitungsteile, die wir produzieren, bis zu den Summen, die wir für die Beiträge von freien Mitarbeitern ausgeben."

Wie der Medienreporter der "NYT", Ravi Somaiya, in dem Beitrag schreibt, dürften die Kürzungspläne für zusätzliche Unruhe und Verunsicherung im Newsroom sorgen, da dieser bereits ein "verstörendes Jahr" durchlebt habe. Im Mai war die bisherige Chefredakteurin Jill Abramson überraschend entlassen und durch Baquet ersetzt worden.

Ob dessen Kommentar zu den Streichungen beruhigend wirkt, ist deshalb fraglich. "Wir haben keine Wunderwaffe gegen die aktuelle finanzielle Misere des Nachrichtengeschäfts", schreibt Baquet. "Aber die Journalisten der 'New York Times', mit all ihrer Kreativität und ihrem Glauben an die Zukunft, haben dem Unternehmen schon durch turbulentere Zeiten geholfen."

hpi