New Yorker Emigrantenzeitung "Aufbau" nur noch im Netz

Die älteste deutschsprachige Zeitung in New York, der "Aufbau", steht vor der Einstellung. Das Blatt wurde 1934 von deutsch-jüdischen Emigranten gegründet. Weil Investoren fehlen, reicht das Geld 70 Jahre später nur noch für eine Ausgabe im Internet.


Jüngste Ausgabe des "Aufbau"

Jüngste Ausgabe des "Aufbau"

Die älteste deutschsprachige Emigrantenzeitung der Welt, der New Yorker "Aufbau", steht offenbar vor dem Ende. Die jüngste Ausgabe des traditionsreichen Blattes, das 1934 von deutsch-jüdischen Emigranten zunächst als Mitteilungsorgan des "German-Jewish Club of New York" gegründet worden war, ist nicht mehr am Kiosk, sondern nur noch im Internet www.aufbauonline.com zu finden. Sämtliche Bemühungen, einen Investor für die traditionsreiche, alle 14 Tage erscheinende Zeitung zu finden, sind offenbar gescheitert.

Der Chefredakteur des "Aufbau", Andreas Mink, hatte vor kurzem in einem Interview mit dem Deutschlandfunk gesagt, dass bald die letzten finanziellen Ressourcen aufgebraucht seien. Das Blatt erscheint zweisprachig in New York und Berlin und beschäftigt sich in seinem jüngsten, wohlmöglich letzten Ausgabe, mit dem Auftauchen von Antisemitismus ausgerechnet in Israel. In einigen Städten käme es häufig zu Angriffen eingewanderter russischer Skinheads auf jüdische Israelis, heißt es. Etwa 300.000 der 1 Million russischen Einwanderer in Israel fehle "jeglicher jüdischer Hintergrund", so das Blatt weiter.

Der "Aufbau" gehörte während des zweiten Weltkrieges zu den wenigen US-amerikanischen Zeitungen, die über den Holocaust berichteten. Viele berühmte Autoren griffen für die Emigrantenzeitung zur Feder, darunter Albert Einstein, Thomas Mann, Hannah Arendt, Franz Werfel, Stefan Zweig oder Walter Laqueur. Das Blatt hatte zuletzt eine Auflage von 10.000 Exemplaren.



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