Nida-Rümelin "Gemeinsame Verantwortung" als Allheilmittel

Der neue Kulturstaatsminister fasst die heißen Eisen, an denen sich Michael Naumann noch die Finger verbrannte, nur vorsichtig an. Diplomatisch äußerte sich Julian Nida-Rümelin zu den umstrittenen Themen Beutekunst und Wagner-Nachfolgestreit in Bayreuth.


Diplomatisch: Nida-Rümelin
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Diplomatisch: Nida-Rümelin

Irsee - Der neue Kulturstaatsminister Julian Nida-Rümelin will sich für einen stärkeren kulturellen Austausch zwischen Deutschland und den osteuropäischen Staaten einsetzen. Bei einem Gespräch mit der Landtagsfraktion der bayerischen SPD im Kloster Irsee erklärte der Nachfolger von Michael Naumann, dass es dabei mit Polen, Tschechien und Russland noch einigen Nachholbedarf gebe. Nach dem Fall der Mauer im Jahr 1989 sei dies versäumt worden.

Nida-Rümelin denkt dabei nach eigenen Angaben sowohl an Schüleraustausch als auch an gemeinsame Einrichtungen zur Verwaltung des preußischen Kulturerbes. Der SPD-Politiker will sich dafür einsetzen, die Kulturgüter nicht unbedingt nach Deutschland zu holen, sondern sich zusammen mit den betroffenen Staaten für deren Erhalt zu engagieren. Verschleppte Kunstwerke können seiner Meinung nach zum Teil in den Staaten Osteuropas bleiben. Schließlich habe Preußen weit in das heutige Polen hinein gereicht. Es gehe darum, "eine gemeinsame Verantwortung zu finden".

In der umstrittenen Nachfolgefrage bei der Leitung der Bayreuther Festspiele strebt der Kulturstaatsminister eine einvernehmliche Lösung mit dem Land Bayern, der Stadt Bayreuth und Familie Wagner an, wie er erläuterte. "Es geht darum, einen vernünftigen Generationenwechsel zu finden", sagte Nida-Rümelin. Er hoffe, dass bald ein Nachfolger für Festspielleiter Wolfgang Wagner gefunden werde, wenn möglich im Einvernehmen mit Wagner selbst. Bisher hatte sich der scheidende Festspielleiter nur bereit erklärt, zu Gunsten seiner Frau abzutreten. Dies wurde vom Stiftungsrat abgelehnt.



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