"Nijinsky" Neumeier-Uraufführung feiert Triumph in der Staatsoper

Für seine Pirouetten und Sprünge verehrt, für seine neuen Tanzideen ausgebuht. Aufstieg und Tragödie des russischen Tanzgenius Vaslav Nijinsky inspirierten Hamburgs Ballett-Chef John Neumeier zu seinem Ballett "Nijinsky". Die Uraufführung wurde in der Staatsoper der Hansestadt mit Ovationen gefeiert.


Brilliant: Bubenicek als Nijinsky
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Brilliant: Bubenicek als Nijinsky

Hamburg - Er war der "Faun" und der "Goldene Sklave". Nur zehn ruhmreiche Jahre waren Vaslav Nijinsky an der Spitze von Diaghilews "Les Ballets Russes" vergönnt. Ehe er 1950 in London starb, verdämmerte er dreißig Jahre geisteskrank in Sanatorien. Der Tanzlegende widmete der Chef des Hamburg Balletts, John Neumeier, seine neue Choreografie.

Mit der Uraufführung von "Nijinsky" in der Hamburger Staatsoper wurden am Sonntagabend die 26. Hamburger Ballett-Tage eröffnet. Bravorufe gab es vor allem für den Solisten Jiri Bubenicek in der Titelrolle. Als Entdeckung des von Rainer Mühlbach musikalisch hervorragend geleiteten Abends wurde der 19-jährige Japaner Yukitchi Hattori gefeiert. Er verkörpert Stanislaw, den Bruder des Künstlers.

Zwanzig Jahre nach seiner ersten "Vaslav"-Skizze hat sich Neumeier damit erneut an Nijinsky gewagt. Zu Rimski-Korsakows "Scheherezade" und Schostakowitsch beschwört er die Welt der Ballets Russes, schafft ein meisterhaftes Porträt seines Idols. Auch wenn dem Publikum die eine oder andere biografische und choreografische Anspielung entgehen mag, ist Neumeier im Ganzen ein packendes Werk mit ergreifenden Passagen gelungen.

Neumeier zieht sechs Nijinsky-Rollen heran und setzt sie in impressionistischen Szenen in Beziehung zu den Lebensstationen des Tänzers. Dabei gelingt es dem Choreografen, die modernen Tanzideen des Russen mit seiner eigenen Bewegungssprache zu verknüpfen. Solist Bubenicek betörte das Hamburger Publikum als "Faun" und "Goldener Sklave" - dafür erhielt er den frenetischen Applaus, der Nijinsky nicht vergönnt war.



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