Notre-Dame-Wiederaufbau Macron-Beauftragter wütet gegen Chefarchitekten

Beim Brand der Kathedrale Notre-Dame stürzte auch der berühmte Spitzturm ein. Wie soll er wiederaufgebaut werden - modern verfremdet oder in historischer Anmutung? Der Streit darüber ist jetzt eskaliert.

STEPHANE DE SAKUTIN/ AFP

Er solle "den Mund halten". So wies der Beauftragte von Präsident Emmanuel Macron, Jean-Louis Georgelin, den Chefarchitekt Philippe Villeneuve zurecht, der für den Wiederaufbau der bei einem Brand zerstörten Pariser Kathedrale Notre-Dame verantwortlich ist.

Der Architekt befürwortet eine historische Rekonstruktion des zerstörten Spitzturms, Präsident Macron will jedoch einen "kreativen Wiederaufbau" in moderner Form. Im Gespräch ist etwa ein gläserner Turm.

Der Fünf-Sterne-General Georgelin zeigte sich bei einer Anhörung durch einen Parlamentsausschuss entrüstet über das wiederholte Plädoyer von Chefarchitekt Villeneuve für eine historische Lösung. Nach eigenen Angaben soll der 71-jährige General, den Macron nach dem Brand am 15. April überraschend mit dem Wiederaufbau beauftragt hatte, seinem Kontrahenten den Mund verboten haben.

Die Frage des Spitzturms stelle sich erst Anfang 2021, sagte Georgelin. "Wir werden dann die beste Wahl für Notre-Dame, für Paris und die Welt treffen", betonte der General, der von 2006 bis 2010 Generalstabschef der französischen Armee war.

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Notre-Dame: Mühsamer Aufbau

Die Diskussion über die Frage, ob der neugotische Spitzturm auf dem Dach wieder originalgetreu aufgebaut oder als zeitgenössischer Architektenentwurf wiederauferstehen soll, hatte Frankreich schon im vergangenen Sommer in zwei Lager gespalten.

Derzeit sind noch die Arbeiten zur Absicherung der Kathedrale im Gang. Der eigentliche Wiederaufbau soll 2021 beginnen. Macron hat eine Wiedereröffnung der gotischen Kirche bis 2024 versprochen. Experten halten dies für sehr ehrgeizig.

cbu/dpa

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