Notting Hill Filmerfolg bringt Ruin für Bewohner

Nachdem die Romanze zwischen Julia Roberts und Hugh Grant den Kinobesuchern das Herz erwärmt hat, rennen Touristen die kleine blaue Tür in Notting Hill ein - und bescheren den Bewohnern des Londoner Viertels horrende Mieten.

London - An Samstagen stehen die Touristen Schlange, um sich vor dem Hauseingang mit der abblätternden blauen Farbe fotografieren zu lassen - denn hier wurde der Erfolgsfilm "Notting Hill" gedreht, hier gaben sich Hugh Grant und Julia Roberts die Klinke in die Hand. Doch mit den Touristenbussen kommen auch die Umzugswagen nach Notting Hill. Seit der Londoner Stadtteil weltbekannt ist, sind Mieten und Hauspreise drastisch gestiegen.

Jazz-Musiker George Melly sah sich gezwungen, sein Haus zu verkaufen. "Seit Grant diesen verfluchten Film gemacht hat, ist das Leben hier unbezahlbar geworden", sagte er der örtlichen Zeitung. "Der Gemeinschaftsgeist ist auch dahin. Was dieser Mann angerichtet hat! Würde mich nicht wundern, wenn er das Viertel am Ende noch in 'Nothing Hill' umtauft - weil es sich niemand mehr leisten kann, hier zu wohnen."

Die Ausländer, die den einstigen Slum voller Ratten und Müll in den siebziger und achtziger Jahren interessant gemacht hatten, sind schon lange weggezogen. Ihren exotischen "Notting-Hill-Karneval" gibt es zwar noch, er hat sich mit einer Million Besucher sogar zum größten Straßenfest Europas entwickelt. Doch wenn die Lichter erloschen sind, fahren die Straßentänzer wieder in ihre grauen Vororte zurück. Zurück bleiben die Reichen und Schönen: Filmstars, Musiker, Verleger. "Hier sieht man Stars an jeder Ecke", sagt Maklerin Joanna Ecclestone. "Sorry, dass ich mir die Hände reibe, aber wenn's nach mir geht, können noch viel mehr von denen hierhin umziehen."

Auch die großen Ketten wollen jetzt alle möglichst schnell eine Filiale in Notting Hill. Der typische kleine Einzelhändler, den Hugh Grant im Film verkörperte, könnte also schon bald ruiniert sein. Um das zu verhindern, haben alteingesessene Bewohner vor sechs Wochen die "Notting-Hill-Aktionsgruppe" gegründet. Sie fordern ein Eingreifen des Stadtrats, bevor es zu spät ist. "Hier verändert sich alles viel zu schnell", sagt Greg Scott, Inhaber des Delikatessengeschäfts "Christian's", das vor fast 25 Jahren von einem der letzten Nachfahren des "Bounty"-Meuterers Fletcher Christian gegründet wurde. "Die Lebensgrundlage dieses Viertels sind kleine Geschäfte. Hier kennt jeder jeden, eine sehr intime Atmosphäre. Die großen Ketten werden den ganzen Charakter dieses Viertels zerstören." Matiss Ansons, ein anderes Mitglied der Aktionsgruppe, sagt: "Für jede Kette, die hier reinkommt, gehen zwölf kleine Läden kaputt."

Solche Aussichten missfallen auch Richard Curtis, dem Autor des Drehbuches für "Notting Hill". Er wohnte bis vor kurzem in dem Haus mit der blauen Tür. Doch kurz nachdem er seinem Heim durch den Film zu internationaler Berühmtheit verholfen hatte, verkaufte er es - mit einem Gewinn von 2,7 Millionen Mark (900.000 Pfund). Und zog dann in ein anderes Viertel.

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