Raubkunst-Kommission Bund soll Gemälde an Emden-Erben zurückgeben

Eins der Werke hing im Bonner Amtssitz des Bundespräsidenten: Seit Jahren streitet die Regierung mit den Erben des jüdischen Kaufhausmagnaten Max Emden über die Rückgabe zweier Bilder - nun gibt es Bewegung in dem Fall.

"Ansicht des Zwingergrabens in Dresden" von Bernardo Bellotto (1721-1780)
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"Ansicht des Zwingergrabens in Dresden" von Bernardo Bellotto (1721-1780)


Etwa 15 Jahre dauerte der Streit um die zwei Gemälde des italienischen Altmeister Bernado Bellotto, die einst dem jüdischen Kaufhausmagnat Max Emden gehörten. Er hatte sie während der NS-Zeiten über Umwege an die Privatsammlung Adolf Hitlers verkaufen müssen - unter Wert, wie die Anwälte der Familie Emden sagen. Seit den Sechzigerjahren sind die Bilder im Besitz des Bundes. Das Finanzministerium hatte sich in der Vergangenheit wiederholt geweigert, die zwei Gemälde zurückzugeben, da diese gegen Zahlung erworben wurden. Doch nun empfiehlt eine hochrangige Kommission der Bundesregierung die Rückgabe an die Erben.

"Wir sind der Kommission dankbar dafür, dass sie das erlittene Unrecht anerkannt und unsere Überzeugung, dass der Verkauf der Gemälde im Jahre 1938 unter Zwang geschah, bestätigt hat", erklärte der in Chile lebende Enkel Juan Carlos Emden. Im Jahr 2004 hatten er und der Restitutionsanwalt Markus Stötzel das Verfahren initiert.

Bei den Bildern handelt sich um "Ansicht der Karlskirche zu Wien", das sich als Leihgabe des Bundes im Museum Kunstpalast in Düsseldorf befindet, und um "Ansicht des Zwingergraben in Dresden" im Militärhistorischen Museum in Dresden. Lange hatte das Gemälde die Villa Hammerschmidt, den Bonner Amtssitz des Bundespräsidenten, geschmückt. 2005 ließ der damalige Bundespräsident Horst Köhler das Gemälde an den Bund zurückgegeben, nachdem die Herkunft bekannt geworden war.

"Ansicht der Karlskirche zu Wien" von Bellotto
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"Ansicht der Karlskirche zu Wien" von Bellotto

Die Empfehlung der Beratenden Kommission für die Rückgabe NS-verfolgungsbedingt entzogener Kulturgüter, insbesondere aus jüdischem Besitz, trägt nach Ansicht der Anwälte auch zur Klärung der Frage um sogenanntes Fluchtgut bei. "Die Entscheidung beinhaltet die Anerkennung, dass jenes Vermögen, das NS-Opfer zur Finanzierung ihrer Flucht aus Nazi-Deutschland oder zur Bestreitung des Lebensunterhalts im Exil veräußert haben, an die Nachkommen der Opfer zurückzugeben ist", erklärten die Anwälte.

Der Hamburger Kaufmann Max Emden, über den Ende April die Dokumentation "Auch Leben ist eine Kunst - Der Fall Max Emden" in die Kinos kommt, war aufgrund seiner Verfolgung in wirtschaftliche Not geraten. Ab 1938 musste er daher seine in der Schweiz aufbewahrte Kunstsammlung nach und nach verkaufen.

Die Anwälte der Emden-Familie wiesen außerdem auf den ähnlich gelagerten Fall des früheren Grundbesitzes der Familie Emden hin. Die Stadt Hamburg sei bis heute im Besitz des Geländes des Hamburger Polo-Clubs und des "-Loki Schmidt-Gartens", das Max Emden mitsamt weiterer Grundstücke in der Hansestadt ab 1935 "unter den damaligen anti-jüdischen Verhältnissen", so ein Aktenvermerk der Behörden aus den Fünfzigerjahren, verkaufen musste.

Erst Anfang des Jahres war bekannt geworden, dass noch immer 2500 Werke zu der Kunstsammlung der Bundesregierung gehören, die im Verdacht stehen, während der Zeit des Nationalsozialismus größtenteils jüdischen Besitzern geraubt worden zu sein.

Im August vergangenen Jahres hatte sich die Bundesregierung auf einer internationalen Konferenz in Berlin der rückhaltlosenAufklärung des NS-Kunstraubs verpflichtet und damit zum "Washingtoner Abkommen" bekannt. 1998 hatten sich mehr als 40 Staaten erstmals verpflichtet, die Verbrechen der Nazis gegenüber Kunstsammlern und -händlern aufzuklären und eine Einigung mit den Nachfahren der Opfer zu suchen.

brs



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